«Ich landete im Paraplegikerzentrum in Nottwil»

Heinz Pfister (65) hat nie aufgegeben. Nach einem schweren Unfall kämpfte er sich ins Arbeitsleben zurück. Jetzt ist er nach 49 Berufsjahren bei der Post in den Ruhestand getreten.

03.07.2018
Interview: Sandra Gonseth; Fotos: François Wavre
  • Heinz Pfister auf dem Trike

    Heinz Pfister ist leidenschaftlicher Trike-Fahrer.

  • Heinz Pfister auf dem Trike
  • Heinz Pfister auf dem Trike
  • Heinz Pfister auf dem Trike
  • Heinz Pfister auf dem Trike

Vor 14 Jahren veränderte sich Ihr Leben grundlegend. Was ist passiert?

Bei einem Einsatz der freiwilligen Feuerwehr fiel ich aus einer Höhe von 4,5 Metern von einer Leiter. Ich wurde ins Paraplegikerzentrum nach Nottwil gebracht. Die Ärzte sagten mir nach der Operation, dass ich nie mehr würde gehen können. Diese Prognose wollte ich nicht akzeptieren. Mit starker Willenskraft habe ich es geschafft, dass ich mich heute mit Beinstützen fortbewegen kann.

Damals führten Sie die Poststelle Gerzensee zusammen mit Ihrer Frau. Wie kam es dazu?

Als Zürcher wanderte ich nach Bern aus. Dort stieg ich zum Obmann der Päckliträger, anschliessend zum Betriebsbeamten auf. Bei der Post lernte ich auch meine Frau kennen. Als ich eine Zustellung im Weissenbühl hatte, nahm ich meine künftige Frau die kurze Strecke bis zur Schanzenpost in meinem Dienstwagen mit. Wir haben dann spontan beschlossen, zusammen in der Kantine Mittag zu essen.

Unter welcher Bedingung konnten Sie die Poststelle übernehmen?

Dass wir heiraten! Ein und drei Jahre später kamen unsere zwei Kinder zur Welt. In dieser Zeit schrieb ich auch das erste Online-Buchhaltungsprogramm für die Post. Es lief auf Windows 3.1 und war auf einer Diskette abgespeichert. Jede Poststelle, die einen eigenen PC hatte, erhielt eine solche Diskette.

Wie sah Ihr Leben nach dem Unfall aus?

Ich wusste immer, wenn ich noch arbeiten kann, dann will ich auch. So gelang mir der Wiedereinstieg bei der Poststelle Münsingen für 2,5 Stunden pro Tag. Dank der Unterstützung der SUVA und einem sehr verständnisvollen Vorgesetzten.

Wie hat sich Ihr Alltag nach der Pensionierung verändert?

Eigentlich gar nicht so stark, da ich ja schon vorher die Arbeitsstunden reduzieren musste. Meine Leidenschaft gilt meiner Post-Pin-Sammlung und den Motoren. Das kommt wahrscheinlich noch von meiner Zürcher Zeit im Eildienst. Damals war ich für den Unterhalt und die Wartung von 200 Postvelos und 20 Posttöfflis verantwortlich. Heute besitze ich neben einem Trike auch noch einen 38-jährigen Toyota-Oldtimer.