«Ich bin mit Bergunfällen grossgeworden»

Alfons Jaggi (75), Pöstler und SAC-Rettungschef, wuchs in einer Pöstlerdynastie auf. Schon sein Urgrossvater war bei der Post.

17.10.2017
Interview: Sandra Gonseth; Fotos: François Wavre
  • Alfons Jaggi
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Wann startete die Pöstlerdynastie der Jaggis?

Den Grundstein legte mein Urgrossvater 1873. Nach meinem Grossvater (1903) und meinem Vater (1924) übernahm ich die Poststelle Im Fang im Jahr 1962. Die Poststelle war also 127 Jahre in der gleichen Familie.

War es für Sie selbstverständlich, den Betrieb weiterzuführen?

Zu meiner Zeit war man froh, eine sichere Stelle zu haben. Deshalb habe ich mir diese Frage nie gestellt. Bereits als 20-Jähriger trat ich in die Fussstapfen meines Vaters und blieb 40 Jahre Posthalter und Briefträger in meinem Heimatdorf. Nach der Schliessung der Poststelle übernahm ich bis zu meiner Pensionierung die Poststelle Jaun.

Wie sieht die postalische Versorgung heute aus in Jaun?

Es gibt eine Postagentur im Dorfladen. Jaun ist die einzige deutschsprachige Gemeinde im Greyerzbezirk. Die Briefträger sprechen alle Französisch und starten ihre Zustelltouren in Charmey.

Nebenamtlich waren Sie auch als SAC-Rettungschef tätig. Was war Ihr Beweggrund?

In der Region Jaun befindet ich das bekannte Klettergebiet der Gastlosen. Dort passierten auch früher viele Bergunfälle. Da einzig die Poststelle über ein Telefon im Dorf verfügte, bin ich mit den Bergunfällen grossgeworden. Deshalb war es naheliegend, in diesem Bereich eine ehrenamtliche Tätigkeit auszuüben. Dies war allerdings nur durch die Unterstützung meiner Frau möglich, die bei Einsätzen die Ablösung übernahm. Während 32 Jahren hatte ich auch immer einen ausgebildeten Lawinenhund.

Und wie verbringen Sie die Pensionierung?

Ich bin froh, wenn ich nicht allzu weit verreisen muss (lacht). Am liebsten bin ich im Greyerzerland, wo ich mein ganzes Leben verbracht habe. Wir haben sechs Kinder, zwei Enkel und gehen oft «zBerg». Ich verwalte unter anderem auch Alpweiden. Da gibt es immer genug zu tun.