«Ich baute meine eigene Post»

Werner Rüegg (56) baute vor 27 Jahren seine eigene Poststelle. Heute blickt er auf 40 Postjahre zurück.

22.08.2017
Interview: Sandra Gonseth; Fotos: François Wavre
  • Werner Rüegg
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Welches war der Höhepunkt Ihrer 40-jährigen Pöstlerkarriere?

Mein Stelleneintritt als Rickner Posthalter war an die Bedingung geknüpft, auf einem Postgrundstück neben dem Postgebäude auch gleich mein privates Haus zu bauen. Das sah dann so aus: Von der Schalterhalle ging es durch eine Verbindungstür direkt in die Küche und ins Wohnzimmer. Im oberen Stock befanden sich die Schlafräume.

Also ein richtiger Familienbetrieb?

Genau, meine Frau, die ich übrigens bei der Post kennengelernt hatte, übernahm jeweils am Morgen den Schalterdienst, während ich im 450-Seelen-Dorf die Post zustellte. Damit sie nebenbei noch den Haushalt und die Kinder versorgen konnte, montierten wir in der Schalterhalle eine Klingel.

Seit 16 Jahren leiten Sie nun die Poststelle Benken. Was ist die grösste Herausforderung?

Da Benken auf der Liste der Poststellen steht, die überprüft werden, muss ich mich ab 2020 wohl auf einen Wechsel einstellen. Ich war in meiner langen Karriere immer bestrebt, in Bewegung zu bleiben und die Strategie der Post umzusetzen.

Sind Ihre Kinder in Ihre Fussstapfen getreten?

Leider nicht. Trotz meiner Überredungskünste (lacht) hat keines meiner drei Kinder den Pöstlerberuf ergriffen. Und das, obwohl ich immer sage, dass in unserer Familie gelbes Blut fliesse.

Wie schalten Sie ab?

Am liebsten mit Wandern. Meine Frau hat mir zum 50. Geburtstag sozusagen den Jakobsweg geschenkt. Wir wanderten in Etappen durch die ganze Schweiz. Das hat mich auf den Geschmack gebracht. Mit einem befreundeten Paar gehts auch mal auf eine Vollmondwanderung. Zudem bewirte ich jeweils am längsten Tag im Jahr in einer Bergwirtschaft Gäste, und ich bin ein begeisterter 300-Meter-Schütze.