«Es ist schön, Pöstlerkollegen zu treffen»

Karl Frey feiert am 30. August seinen 80. Geburtstag. Er hat in seiner aktiven Pöstlerzeit viele verschiedene Stationen durchlaufen.

21.07.2015
Interview: Sandra Gonseth; Fotos: François Wavre
  • Karl Frey
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Welche Funktionen haben Sie bei der Post ausgeübt?

In den über 43 Jahren war ich beim Bahn- und Postautoumlad, bei der Brief- und Paketpost und beim Eildienst. Eine besondere Erinnerung habe ich an den Telegrafen-Bereitschaftsdienst. Dort mussten wir auch mal mitten in der Nacht ein Telegramm überbringen. 1973, an einem aufgrund der Benzinkrise autofreien Sonntag, brauchten wir gar eine Sonderbewilligung für die Fahrt zum Empfänger.

Wie hat sich die Post im Vergleich zu früher verändert?

Wir Briefboten hatten früher eine wichtige soziale Funktion. Gerade ältere Kunden warteten oft schon auf uns. Ich war mir nie zu schade, um auch mal Gartenabfälle vom Haus an die Strasse zu tragen oder Milch und Brot mitzubringen. Es hat mich gefreut, dass mir die Leute deshalb den Übernamen «Sonnenschein» gaben.

Ihr unvergesslichstes Erlebnis in all Ihren Berufsjahren?

Ich hatte eine Brieftasche vor einem Haus mit Kreditkarten und tausend Franken in bar gefunden. Als ich das Geld der Besitzerin überreichen wollte, putzte mich diese nur ab und beschwerte sich auf der Poststelle über mein Klingeln. Das ärgert mich bis heute. Denn über ein Trinkgeld hätte ich mich schon gefreut. Mit einem Jahreslohn von 6755 Franken (1956) war man nicht auf Rosen gebettet.

Wie sieht Ihr Tag heute aus?

Meine Frau und ich haben einen schmucken Blumengarten. Seit die Kinder aus dem Haus sind, brauchen wir nicht mehr so viel Gemüse. Zudem nehme ich am Pensioniertenausflug teil. Es ist schön, ehemalige Pöstlerkollegen zu treffen.