«Die Tour über den gefrorenen Zürichsee war etwas Einmaliges»

Walter Koch (75) hat in seiner Postlaufbahn als Eilbote, Briefträger und Geldbote viel erlebt und dabei rund zweimal die Erde umrundet.

19.04.2016
Interview: Sandra Gonseth; Fotos: François Wavre
  • Walter Koch
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Welches waren Ihre Aufgaben beim Eildienst?

Wir mussten in drei Schichten Briefe und Telegramme austragen. Pro Schicht gab das gut und gerne 80 Touren, die wir alle mit dem Velo bewältigten. Der Höhepunkt war die Kür zum «schnellsten Pöstler des Jahres», dessen Titel ich als begeisterter Velofahrer dreimal gewann.

Haben Sie besondere Erinnerungen an die Postzeit?

Ja, ganz klar die Tour de Suisse, die durch das Zürcher Quartier Oerlikon fuhr. Dort war ich 26 Jahre lang Briefträger. Was gibt es für einen passionierten Radfahrer und Pöstler Schöneres, als wenn die Flamme rouge, also der letzte Kilometer vor der Zieleinfahrt, durch sein Zustellgebiet läuft. Aber auch die Abkürzung der Zustelltour über den gefrorenen Zürichsee 1963 war etwas Einmaliges.

Und gab es auch Kurioses?

Wir deponierten unsere Briefsäcke jeweils vor einer Bäckerei. Der Bäcker hielt sie für Mehlsäcke, stellte sie kurzerhand in den Laden und ging in die Ferien. Ein andermal bekam ich eine Busse von fünf Franken, weil ich während der Arbeitszeit einen Kaffee trinken ging. Gut, dass niemand mitbekam, dass ich bei der Zustellung der Zirkus-Knie-Post manchmal die Proben mitverfolgt habe.

Welche Veränderungen haben Sie am meisten geprägt?

Als die Briefkasten an den Grundstückrand verschoben wurden, hatten wir leider viel weniger Kundenkontakt. Zudem wurde früher viel Wert auf Etikette gelegt. So wurde jeden Morgen kontrolliert, ob wir rasiert waren. Das wurde mir bald zu blöd, und ich liess mir einen Bart wachsen.

Und weshalb gingen Sie frühzeitig in den Ruhestand?

Zuletzt war ich als Geldbriefträger im Kreis 1 in Zürich tätig. An manchen Tagen trug ich sage und schreibe 80 000 Franken auf mir. Als diese Funktion aufgehoben wurde, wollte ich nichts Neues mehr beginnen. Schliesslich hatte ich in meinen 37 Postjahren bereits rund zweimal die Erde umrundet.