«Am liebsten bin ich am Bielersee»

Therese Bürgy (61) blickt auf eine Bilderbuchkarriere zurück. Die Bielerin ist seit 45 Jahren bei der Post.

Ausgabe 5/2017
Text: Sandra Gonseth; Fotos: François Wavre
  • Therese Bürgy
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Sie sind bereits mit 15 Jahren bei der Post eingestiegen. Wie kam es dazu?

Da ich schon als Jugendliche gerne mit Zahlen zu tun hatte, entschied ich mich für eine Anlehre beim Postcheckamt. Ich dachte damals, dass ich später sowieso eine Familie gründen würde. Doch im Leben kommt es meistens anders als man denkt: Ich blieb alleine und der Job bei der Post wurde zur Lebensstelle.

Wie sah die Arbeitsweise damals aus?

Heute kaum noch vorstellbar: Wir verwalteten alle Postkonten von Hand. Jedes Konto wurde auf einem A4-Blatt geführt und für die Verarbeitung in eine Rechnungsmaschine eingespannt, wo dann die Buchungen vorgenommen wurden. Den Saldo schrieben wir von Hand dazu.

Weshalb wechselten Sie nach 21 Jahren an den Schalter?

Weil die 25 Postcheckämter aufgelöst und zur PostFinance überführt wurden, empfahl man mir eine Schalterlehre. Ich schaffte die Aufnahmeprüfung und begann mit 37 Jahren eine Monopolausbildung. Ein sehr positiver Wechsel, da ich meinen Traumberuf gefunden hatte.

Hatten Sie nie Lust, die Arbeitgeberin zu wechseln?

Auch nach 45 Jahren Post ist mir mein Job noch nicht verleidet. Natürlich gab es Zeiten, wo auch ich am liebsten den Bettel hingeworfen hätte. Die Umstellung von der Schalterbeamtin zur Verkäuferin war nicht einfach.

Sie werden in den nächsten Jahren pensioniert. Haben Sie schon Pläne?

Ich freue mich darauf, nicht mehr zu müssen, sondern nur noch zu wollen. Ich habe jahrelang intensiv Sport getrieben, heute mache ich noch Nordic Walking, fahre Rad und gehe Wandern. Es gibt für mich nichts Schöneres, als viel Zeit in der Natur zu verbringen. Am liebsten natürlich an der Aare oder rund um den Bielersee. Aber jetzt geht es erst einmal in die Wanderferien nach Madeira, darauf freue ich mich sehr!