«Ich bin mit blauen Flecken davongekommen»

Der pensionierte Pöstler Heinz Schild erinnert sich noch gut an den glücklichen Ausgang eines Verkehrsunfalls auf verschneiten Strassen.

11.12.2018
Interview: Claudia Iraoui; Fotos: François Wavre
Heinz Schild aus Brienzwiler wohnt seit über 50 Jahren in Rüfenacht (BE).

Heinz Schild aus Brienzwiler wohnt seit über 50 Jahren in Rüfenacht (BE).

Wie ist die Post in Ihr Leben getreten?

Als siebenjähriger Bub begleitete ich den Pöstler auf seiner Zustelltour in Schwanden bei Brienz. Ich half ihm, den Anhänger mit den Briefen und Paketen zu schieben. Deshalb war die Post auch unter meinen Favoriten, als ich als junger Erwachsener eine Stelle suchte. Weil ich aber kein Französisch konnte, musste ich bis 1964 auf eine Stellenausschreibung warten, in der kein Französisch verlangt wurde. Ich habe dann diese Gelegenheit beim Schopf gepackt und mich beworben.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Zeit als Pöstler?

Oh ja! Mein erster Arbeitstag war im Januar 1965: Ich half beim historischen Umzug der Berner Poststelle Bollwerk in die Schanzenpost. Die ersten drei Monate meiner Ausbildung zum Pöstler absolvierte ich im Briefversand in Bern. Dann kam ich zur Bahnpost. Das war eine wunderbare Zeit, aber manchmal war mir auch mulmig zumute, wenn ich mit dem Postwagen mit den Wertsäcken durch die Stadt musste. Meine Ausbildung schloss ich in Bern Burgernziel ab.

Danach zogen Sie nach Rüfenacht (BE) ...

Ja, 1967 bekam ich dort eine Stelle. In der ersten Zeit hatte ich Heimweh nach dem Berner Oberland. Der Nebel im Unterland machte mir zu schaffen. Aber nach der Heirat und der Geburt der Kinder entschieden wir, uns fest in Rüfenacht niederzulassen. Nun lebe ich seit über 50 Jahren in dem Ort, wo ich so lange gearbeitet habe und fast alle kenne.

Welchen Moment werden Sie nie vergessen?

Es sind zwei, und nicht die schönsten: Einmal hat mich ein Hund in beide Waden gebissen – und der Besitzer hat sich nicht einmal entschuldigt. Und einmal wurde ich von einem Auto angefahren. Der Fahrer hatte wegen des Schnees die Kontrolle über sein Auto verloren und rutschte auf die Gegenfahrbahn. Er schleifte mich und meinen Scooter über 15 Meter weit mit. Ich hatte riesiges Glück und kam mit vielen blauen Flecken davon.

Wie erleben Sie die Pensionierung?

Ich geniesse den Ruhestand sehr. Nun habe ich Zeit, meine Hobbys zu pflegen: Vor meinem Hirnschlag 2009 fertigte ich Holzschnitzereien an und spielte Alphorn. Heute sammle ich Briefmarken und mache lange Spaziergänge.