«Uns gibt es nur im Doppelpack»

Die Churer Checkamt-Zwillinge Erna und Claudia Alder erinnern sich an die Aufhebung des Checkamts, als wäre es gestern gewesen. Erna Alder (75) erklärt, weshalb es der schlimmste Tag in ihrem Leben war.

25.09.2018
Interview: Sandra Gonseth; Fotos: François Wavre
  • Erna und Claudia Alder

    Erna (rechts im Bild) und Claudia Alder waren 32 Jahre lang im Churer Checkamt tätig.

  • Erna und Claudia Alder

    Seit ihrer Pensionierung haben sie viel Zeit fürs Basteln. Zum Beispiel für die Deko für das nächste Treffen der ehemaligen Checkämtlerinnen.

Den 8. März 1996 werden Sie nie vergessen. Warum?

Es war der schlimmste Tag in unserem Leben, weil das Churer Checkamt aufgehoben wurde. Meine Zwillingsschwester Claudia und ich waren dort 32 Jahre tätig, und man nannte uns die Churer Checkamt-Zwillinge. Am letzten Tag mussten wir natürlich wie immer das Tagesgeschäft erledigen. Das war schwierig, weil viele von uns während der Kundentelefonate Weinkrämpfe bekamen. Es war wie eine Beerdigung, die nie aufhört.

Sie und Ihre Schwester Claudia hatten ursprünglich eine Damenschneiderinnenlehre gemacht. Wie kamen Sie zur Post?

Unsere Mutter arbeitete in den 30er-Jahren auch schon bei der Post. Zusammen mit Max Ammann, dem späteren Churer Kreispostdirektor, absolvierte sie eine Schalterlehre und wurde auch im Postcheckamt sowie bei der Direktion eingesetzt.

Als Zwillinge sind Sie eng miteinander verbunden. Gibt es Sie nur zusammen?

Ja, uns gibt es nur im Doppelpack. Wir machen noch heute alles zusammen. Da es beim Checkamt häufig Wechsel gab – sobald man heiratete, durfte man nur noch als Ferienablösung arbeiten – konnten wir beide relativ problemlos einsteigen. Claudia begann allerdings einen Monat vor mir, da sie fünf Minuten älter ist als ich.

Sie sehen sich sehr ähnlich. Gab es manchmal Verwechslungen?

Natürlich! Eine neue Mitarbeiterin bemerkte über eine Woche nicht, dass wir zwei sind! Sie dachte sich nur immer, Mensch wechselt Frau Alder im Verlauf eines Tages häufig die Garderobe!

Nach der Auflösung kam es das erste Mal zu einer beruflichen Trennung?

Ja, leider. Claudia ging zu Swisscom und ich ins Briefzentrum. Aber das war nichts für mich. Und als wir die Möglichkeit bekamen, mit 55 Jahren in Pension zu gehen, haben wir zugegriffen.

Blicken Sie heute manchmal noch mit Wehmut zurück?

Fast jeden Tag. Es war die schönste und tollste Zeit, die man sich vorstellen kann. Zum Glück sind wir beide noch sehr aktiv und haben neue Beschäftigungen gefunden – so spiele ich Panflöte und Claudia Keyboard. Momentan kreieren wir die Tischdeko für das nächste Treffen der ehemaligen Checkämtlerinnen.