«Unsere 47-jährige Freundschaft verdanken wir der Post»

Ein halbes Jahrhundert gemeinsam, die meiste Zeit davon bei der Post. Da wissen die beiden Churer Pöstler Josef Prinz und Christian Item viel zu erzählen.

Ausgabe 1/2018
Interview: Magalie Terre; Fotos: François Wavre
  • Josef Prinz und Christian Item

    Josef Prinz (links) und Christian Item: Zwei langjährige Pöstler und Freunde erzählen.

  • Josef Prinz und Christian Item

    Sie sind gemeinsam in Chur aufgewachsen und ihre Wege haben sich immer wieder gekreuzt.

Wie sind Sie vor bald 50 Jahren zur Post gekommen?

Josef Prinz: Nach abgebrochener Försterlehre suchte ich nach einem passenden Job, der es möglich machte, meine Leidenschaft für das Rennvelo und den Beruf unter einen Hut zu bringen. Meine Verwandten rieten mir, bei der Post in Zürich eine Lehre zu absolvieren. Dies tat ich dann auch und wurde nach einjähriger Ausbildung Pöstler.

Christian Item: Mein Vater arbeitete damals bei der SBB und er wünschte sich, dass ich das auch tat. Dagegen sträubte ich mich von Anfang an. Zu dieser Zeit war es vom Status her wichtig, in einem Bundesbetrieb tätig zu sein. Also ging ich zum Leidwesen meines Vaters zur Post in Zürich. Das habe ich nie bereut. Mein Verhältnis zu meinen Vorgesetzten war seit Beginn meiner Karriere bei der Post im Jahre 1970 immer gut. Das war für mich sehr motivierend.

Wie blieben Sie so lange Freunde?

Christian Item: Wir sind gemeinsam in Chur aufgewachsen und haben uns später bei Kursen der Post wiedergetroffen. Von da an haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt. Zuletzt bei der Basis Effretikon, wo wir seit 14 Jahren täglich zwischen 6 und 7 Uhr gemeinsam unsere Lieferwagen beladen.

Welches war Ihr unvergesslichstes Erlebnis?

Josef Prinz: Da gibt es viele. Beispielsweise immer wieder die Weihnachtszeit: Die vielen Pakete, die in so kurzer Zeit verteilt werden müssen, zerren mächtig an den Kräften. Trotzdem bleibe ich meinem Motto treu. Ich stelle die Pakte so zu, wie ich sie auch gerne in Empfang nehmen möchte. Da lasse ich mir einiges einfallen, um die Pakete auf Balkonen oder in Schuppen zu deponieren. Eines ist sicher: Unter meinem Weihnachtsbaum finden Sie kein einziges Paket. Lieber suche ich in dieser Zeit den Ausgleich in den Bergen.

Christian Item: Vor 47 Jahren wurde ich auf offener Strasse überfallen. Damals war ich als Briefträger mit meinem Fahrrad unterwegs, als mich drei Unbekannte auf den Kopf schlugen, mich ausraubten und mit der Beute flüchteten. Wie durch ein Wunder habe ich diesen Überfall überlebt. Die Beule an meinem Kopf erinnert mich bis heute daran. Zum Glück endete die Flucht für die drei Täter im Gefängnis.

Was hat sich bei der Post verändert?

Josef Prinz: Pakete liefern wir heute noch. Aber wir arbeiten in einem digitalen und von vielen Wandeln geprägten Umfeld. Man muss für die Kundinnen und Kunden praktisch rund um die Uhr erreichbar sein. Das ist nicht immer einfach. Dennoch passen wir uns an und haben jeden Tag Freude an unserer Arbeit. Die Familie und der Sport sind ein wichtiger Ausgleich. In unserer Freizeit zieht es uns regelmässig auf die Rennvelos, Bikes und Skis, ab und zu gemeinsam. Je nach Stresspegel treten wir auch mal kräftiger in die Pedale.