«Unternehmen können nicht mehr alle ihre Inhalte kontrollieren»

Im Zeitalter der Digitalisierung verliert der Unternehmensinhalt an Glaubwürdigkeit und die Mundpropaganda wird wichtiger. Deshalb stellt die Post ihren Mitarbeitenden die App Smarp zur Verfügung, mit der sie Inhalte mit dem eigenen Netzwerk teilen können. Jérômine Siebenaler, Channel Manager für Social Media bei der Post, über die Vorteile dieser App.

14.11.2017
Interview: Claudia Iraoui; Fotos: Yoshiko Kusano; Illustrator: Dennis Oswald, Branders
Jérômine Siebenaler, Channel Manager Social Media

Jérômine Siebenaler, Channel Manager Social Media

93 Prozent der Mitarbeitenden, die an der Umfrage teilgenommen haben, nutzen Smarp nicht. Überrascht Sie das?

Eigentlich nicht, denn Smarp war noch in der Pilotphase, an der nur wenige Bereiche und der Verkauf teilgenommen hatten. Das Pilotprojekt ist nun abgeschlossen, und die App steht mittlerweile allen Mitarbeitenden zur Verfügung.

Um alle Bedenken zu zerstreuen: Können Sie uns erklären, wie Smarp funktioniert?

Smarp ist eine Plattform für Inhalte – Artikel, Blogs, Medienmitteilungen und Artikel aus der Fachpresse –, die die Mitarbeitenden mit dem eigenen Netzwerk teilen können. So entstehen Diskussionen, und es wird Interesse für ein spezifisches Thema geweckt. Sie funktioniert ganz einfach, man muss sich nur auf der Intranetseite registrieren. Die Mitarbeitenden können sich über ihr Xing-, LinkedIn-, Twitter- oder Facebook-Profil einloggen. Dann haben sie Zugang zu einem Newsfeed, durch den man scrollen oder den man nach seinen eigenen Interessen filtern kann. Zum Beispiel nach Themen wie Human Resources oder Innovation. Findet man einen interessanten Artikel, kann man ihn auf einer oder mehreren Plattformen teilen. Artikel lassen sich nicht nur lesen und teilen, sondern auch vorschlagen.

Weshalb wollen Unternehmen, dass ihre Angestellten Inhalte über sie teilen?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer ist sicher, dass über soziale Medien mehr Personen erreicht werden können. Über das Netzwerk der Mitarbeitenden können die Unternehmen ihre Reichweite erhöhen. Zudem, und das ist der zweite Grund, stehen Nutzer heute von Unternehmen publizierten Informationen eher skeptisch gegenüber. Für Peer-to-Peer-Inhalte, also Mitteilungen einer Person, die sie vielleicht auch persönlich kennen, sind sie hingegen offener. Die neue digitale Welt kann auch etwas einschüchternd wirken. Um die Mitarbeitenden zu unterstützen und ihnen Orientierungshilfen zu geben, stellen die Unternehmen fertige Inhalte zur Verfügung.

Weshalb sollte ich mein Profil der Post zur Verfügung stellen? Was habe ich davon?

Sie sind zu Themen, die Sie interessieren, immer auf dem neusten Stand, egal, ob diese aus dem Blickwinkel der Post oder in Fachzeitschriften behandelt werden. Ausserdem können Sie sich, wie bereits erwähnt, mit den sozialen Medien vertraut machen und dafür vom Unternehmen abgesegnete Artikel nutzen. Auch wenn Sie damit noch nicht viel Erfahrung haben, können Sie nichts falsch machen. Zudem braucht es Zeit, Inhalt zu erstellen. Wir bieten Ihnen eine einfache Möglichkeit, sich in den sozialen Medien zu positionieren. Vor allem, wenn Sie im Verkauf oder im Bereich Innovation arbeiten, können Sie für Themen, die Ihnen wichtig sind, und für bestimmte Produkte Sichtbarkeit schaffen.

Man könnte auf den Gedanken kommen, dass Smarp nur dem Kader dazu dient, sich zu positionieren ...

Keineswegs! Es ist ein Tool für alle, weil es verschiedene Bedürfnisse abdeckt. Von denjenigen eines ambitionierten Mitarbeiters, der ein sichtbarer Akteur werden will, bis zum Mitarbeiter, der ganz einfach zu einem bestimmten Thema auf dem Laufenden gehalten werden möchte.

Wie wird sich die Employee Advocacy in Zukunft entwickeln?

Die Unternehmensinhalte verlieren an Glaubwürdigkeit, und Mundpropaganda wird immer wichtiger. Ich denke, dass sich gewisse, bereits heute sichtbare Trends noch verstärken werden. Einer davon ist die Customer Brand Defence: Kunden, die Fan eines Unternehmens sind, stehen mit ihrem Gesicht dafür ein und erstellen selbst Inhalte für das Unternehmen. Das geschieht teilweise schon heute, ich denke da an Migros und Migipedia oder an die französische Warenhauskette Auchan, die im Unternehmensblog nicht nur Posts von Angestellten, sondern auch von Kunden veröffentlicht. Die Unternehmen müssen sich bewusst werden, dass sie heute nicht mehr alle ihre Inhalte kontrollieren können.

Ergebnisse der Oktober-Umfrage

«Nutzen Sie bereits Smarp, die App zum Teilen von Postinhalten?»