«Stolpern und Stürzen ist die Unfallursache Nummer eins»

Felix Weber, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Suva, erklärt, weshalb es im Winter mehr Arbeitsunfälle gibt, was sie kosten und wie sie verhindert werden können.

Ausgabe 12/2017
Interview: Lea Freiburghaus; Fotos: Christian Grund; Illustrator: Dennis Oswald, Branders
  • Felix Weber, Suva

    Felix Weber ist seit 1. Januar 2016 Vorsitzender der Geschäftsleitung der Suva. Der grösste Schweizer Unfallversicherer mit Hauptsitz in Luzern feiert im Jahr 2018 sein 100-Jahr-Jubiläum.

Herr Weber, 21 Prozent der Postmitarbeitenden, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind schon einmal bei der Arbeit verunfallt. Wie beurteilen Sie dieses Ergebnis?

Der Wert allein ist schwer interpretierbar. Unsere Unfallstatistik spricht jedoch eine klare Sprache. In den vergangenen fünf Jahren erlitten bei der Post im Durchschnitt jährlich sechs Prozent der Mitarbeitenden einen Berufsunfall.

Unfälle bescheren nicht nur Leid, sie kosten auch. Wie viel?

Ein Berufsunfall kostet die Suva im Durchschnitt rund 8000 Franken. Berücksichtigt man nur die Zahlen der Post, so zahlt die Suva pro Berufsunfall durchschnittlich circa 6500 Franken. Ein Freizeitunfall kostet unwesentlich mehr, nämlich rund 6800 Franken. Die indirekten Kosten, die die Post selber berappen muss, sind darin nicht berücksichtigt. Diese machen je nach Unternehmen das Zwei- bis Fünffache unserer Kosten aus!

Im Winter gibt es mehr Unfälle bei der Arbeit. Weshalb?

Viele Mitarbeitende der Post sind auch während ihrer Arbeitszeit im Freien unterwegs – und in den Wintermonaten ereignen sich generell mehr Ausrutsch- und Sturzunfälle. Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die Einfluss haben: Falsches Schuhwerk, Nässe, Glatteis oder vereiste Treppen sind die häufigsten Gründe. Darum raten wir, vor Arbeitsbeginn im Freien immer die Wetterlage zu prüfen.

Worauf muss man in der Dunkelheit und bei tiefen Temperaturen besonders achten?

Bei tiefen Temperaturen empfehlen wir das Tragen von Schuhen mit einem guten Profil – und unsere Präventionsspezialisten raten dazu, Wege zu benutzen, die gut beleuchtet sind. Denn die Statistik zeigt, dass zwischen 6 und 8 Uhr morgens mehr als doppelt so viele Fussgänger stolpern und stürzen wie in den übrigen Tagesstunden.

Welche Tipps zur Vermeidung von Unfällen können Sie Mitarbeitenden geben, die in den Zentren oder im Büro arbeiten?

Gehen ist für die meisten von uns ein automatisierter Bewegungsablauf und scheint ungefährlich. Doch die Realität sieht anders aus. Stolpern und Stürzen ist die Unfallursache Nummer eins in der Schweiz: Pro Jahr stolpern und verunfallen über 180 000 Arbeitnehmende, 50 000 Unfälle geschehen auf Treppen. Daher empfiehlt die Suva, beim Treppenlaufen das Tempo zu reduzieren, den Handlauf zu benutzen und das Smartphone verstaut zu lassen. Alltagsgewohnheiten lassen sich nicht so einfach ändern. Daher sind die Mitarbeitenden immer wieder zu sensibilisieren, auch wenn einem die Tipps im ersten Moment banal erscheinen.

Unternehmen wie die Post verzeichnen auch Freizeitunfälle, etwa auf den Skipisten. Wie lassen sich derartige Unfälle vermeiden?

Für Schneesportler ist es wichtig, ihre Fahrweise ans eigene Können und an die Situation auf der Piste anzupassen. Wie das geht, zeigt unser Schneesport-Check auf suva.ch/schneesport-check.

Was kann die Post als Arbeitgeberin gegen Berufsunfälle tun?

Arbeitssicherheit ist Führungsaufgabe. Wir sind überzeugt davon, dass sich Mitarbeitende mit wenig Zeitaufwand für Gefahren sensibilisieren lassen. Zum Beispiel mit einer regelmässigen Instruktion der «lebenswichtigen Regeln». Vorgesetzte haben auch eine Vorbildfunktion. Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, dass Chefs im Fronteinsatz die genau gleiche Schutzausrüstung tragen wie ihre Mitarbeitenden.

Die Post und die Suva unterzeichnen im Januar die Sicherheits-Charta. Was bedeutet das für die Mitarbeitenden der Post?

Die Sicherheits-Charta wurde von der Suva in Zusammenarbeit mit Arbeitgeberverbänden, Planern und Gewerkschaften erarbeitet. Die Unterzeichnenden setzen sich dafür ein, dass am Arbeitsplatz die «lebenswichtigen Regeln» eingehalten werden. Die Mitarbeitenden der Post haben somit das Recht, bei Gefahr STOPP zu sagen und erst weiterzuarbeiten, wenn die Gefahr behoben ist.

Arbeitssicherheit bei der Post

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind Führungsaufgaben und liegen in der Verantwortung der Linie. Zur Unterstützung arbeitet ein Team von Sicherheitsfachpersonen im Konzern und den Bereichen sowie Kontaktpersonen für Arbeitssicherheit an allen Standorten der Post. Mit Schulungen, Sensibilisierungsmassnahmen, Beratungen und Kontrollen sorgen sie dafür, dass die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden der Post gewahrt wird.
Bei Fragen kontaktieren Sie: safety@post.ch
Weitere Informationen im Intranet

Ergebnisse der November-Umfrage

«Sind Sie bei der Arbeit schon einmal verunfallt?»