«Schulden können jeden treffen»

Den 13. Monatslohn nicht verplanen, und schon hat man eine Reserve für Unvorhergesehenes. Das rät Schuldenberater Mario Roncoroni.

29.01.2018
Interview: Lea Freiburghaus; Fotos: Monika Flückiger
  • Mario Roncoroni

    «Eine Beratung ist zwingend, wenn man aus eigener Kraft nicht mehr aus der Schuldenfalle rauskommt», weiss Mario Roncoroni, Co-Leiter der Berner Schuldenberatung und Fürsprecher.

Herr Roncoroni, was sagen Sie zu den Resultaten unserer Umfrage (siehe Grafik unten)?

Das Postpersonal hat offensichtlich mehrheitlich ein ausreichendes und stabiles Einkommen. Und es verwaltet sein Budget sorgfältig! Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber wenn das Einkommen zurückgeht – wegen Entlassung oder Umstrukturierung –, kann das Budgetdefizit jeden treffen.

Gehen im Januar mehr Hilfegesuche bei Ihnen ein als in anderen Monaten?

Die Leute kommen nicht in die Schuldenberatung, wenn es ihnen schlecht geht. Sie kommen eher dann, wenn es wieder aufwärts geht. 99 Prozent unserer Klienten kommen freiwillig.

Wer kommt zu Ihnen und weshalb?

Müsste ich das Phantombild eines typischen Schuldners zeichnen, würde es so aussehen: männlich, zwischen 40 und 60 Jahren, oft nach einer Krise wie beispielsweise einer Scheidung. Weitere Auslöser für finanzielle Notlagen können aber auch ein Stellenverlust, Lohneinbussen nach einer Reorganisation, ein Unfall, eine schwere Krankheit oder eine Sucht sein. Wer seine Ausgaben dann nicht senken kann, weil hohe Barkredite abgeschlossen wurden oder Leasingraten fällig sind, bekommt Probleme.

Wofür verschulden sich die Leute?

Zuallererst sicher, weil das Einkommen zu tief ist. Für Autos, teure Ferien, Unterhaltungselektronik … Wofür man sich in Unkosten stürzt, hat viel mit Wertvorstellungen zu tun – den eigenen und jenen des Umfelds.

Wer ist besonders gefährdet, in die Schuldenfalle zu geraten?

Es kann grundsätzlich jede und jeden treffen. Besonders riskant ist es, wenn man kein Polster hat, das man bei Schwankungen des Einkommens einsetzen kann. Gefährdet sind auch Personen, die trotz Erwerbstätigkeit arm oder von Armut bedroht sind. Schwierig ist es zudem dort, wo auf Abruf gearbeitet wird – da weiss man zu Beginn des Monats nie, wie viel man verdient. Dies macht es schwieriger sein Budget im Griff zu behalten.

Was kann ich tun, um das Januarloch oder Schulden allgemein zu verhindern?

Man muss ein Budget aufstellen, es diszipliniert verwalten und, wenn nötig, Rückstellungen machen. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Deshalb reden wir mit unseren Klienten immer zuerst über ihr Budget. Wir spüren schwarze Löcher auf und versuchen, gemeinsam mit ihnen einen Budgetüberschuss zu erwirtschaften. Dieser wird dann über drei Jahre zur Tilgung ihrer Schulden eingesetzt. Übrigens: Den 13. Monatslohn nicht verplanen, und schon hat man eine Reserve für Unvorhergesehenes! Gut fährt auf lange Sicht auch, wer gut ausgebildet ist und verhältnismässig günstig wohnt. Und ich kann allen raten: Packen Sie Ihre Chancen, wenn sich welche bieten!

Was tun, wenn man trotzdem in eine finanzielle Schieflage gerät?

Eine Beratung ist sicher immer hilfreich, weil man dort den Spiegel vorgehalten bekommt. Zwingend nötig ist sie dann, wenn man aus eigener Kraft nicht mehr rauskommt. Für die Gläubiger hat dieser Schritt meist Symbolwirkung: Jetzt schaut der Profi, dass es gut kommt!

Wie haben Sie es mit dem Januarloch?

Auch ich habe vor Weihnachten deutlich mehr ausgegeben für Geschenke als während des Jahres. Aber glücklicherweise wird es bei mir deswegen nicht knapp im Januar.

Sie möchten Ihr Budget noch besser im Griff haben? Das Budgetplanungstool hilft Ihnen dabei!

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Ergebnisse der Umfrage

«Fallen Sie jeweils ins Januarloch?»