«Mit der Personalzeitung ist ein Unternehmen bei den Mitarbeitenden präsent»

Printmedien spielen im Kommunikationsmix auch weiterhin eine Rolle, und das Intranet der Zukunft wird integrierter Bestandteil des digitalen Arbeitsplatzes, sagt Experte Andreas Jäggi.

12.03.2018
Text: Mathias Forny; Fotos: Vanessa Püntener
Dr. Andreas Jäggi, Kommunikationsberater und Geschäftsführer des Fachvereins Perikom

Andreas Jäggi, Kommunikationsberater und Geschäftsführer des Fachvereins Perikom

Herr Jäggi, wann haben Sie das letzte Mal die Printausgabe einer Zeitung gelesen?

Das mache ich jeden Tag, da ich wegen eines Kunden eine Regionalzeitung abonniert habe. Ansonsten lese ich Zeitungen eher online, wenn auch vorzugsweise in der klassischen Darstellung als E-Paper.

Seit 2009 haben mehr als ein Dutzend der grössten Unternehmen der Schweiz ihre Mitarbeiterzeitungen eingestellt – reitet die Post hier ein «totes Pferd»?

Wie der «Faktencheck 2017» von Perikom zeigt, verfügen noch 60 Prozent der Unternehmen über eine gedruckte Zeitung. Entsprechend gehe ich davon aus, dass Printmedien im Kommunikationsmix auch zukünftig eine Rolle spielen werden. Ich sehe auch Parallelen zu den seit über zehn Jahren laufenden Diskussionen über die Zukunft der Geschäftsberichte: Diese wurden in ihrer gedruckten Form auch schon mehrfach totgesagt, halten sich allerdings mit kleineren Auflagen hartnäckig.

Wo sehen Sie die grossen Stärken dieses Formats?

Mit einem Printprodukt hat man etwas «Greifbares» in der Hand. Bereits die Art, wie eine Mitarbeiterzeitung daherkommt, also etwa das Papier oder die Aufmachung, sagt viel über ein Unternehmen aus. Zudem gibt die gedruckte Zeitung einer Firma die Chance, physisch im Alltag der Mitarbeitenden sowie deren Familien- und Freundeskreis anwesend zu sein. Eine solche Präsenz erreicht man mit elektronischen Kanälen wie dem Intranet nicht.

Die technischen Möglichkeiten erlauben es, Mitarbeitende auf den unterschiedlichsten Kanälen anzusprechen – führt dies nicht zwangsläufig zu einer «Überflutung» mit Information?

Ich sehe Mehrkanaligkeit grundsätzlich als Chance. Ankündigung, Vertiefung oder Lernen sind verschiedene Funktionen und brauchen teils auch verschiedene Kanäle oder deren Zusammenspiel. Für eine nachhaltige Kommunikation braucht es alle drei Hauptkanäle: Online, Print und den direkten Austausch oder auch «Face-to-Face». Neben der Wahl des passenden Kanals sind die Kommunikationsverantwortlichen insbesondere gefordert, sich Gedanken zur Relevanz der jeweiligen Themen zu machen. Ein bewährtes Prinzip dabei ist sicher: lieber weniger, dafür gut, als viel, schnell und oberflächlich.

In vielen Unternehmen hat sich das Intranet als zentraler Onlinekanal etabliert. Worin sehen Sie die Rolle dieser Technologie in den nächsten Jahren?

Das Intranet wird in Zukunft zunehmend zu einem integrierten Teil des digitalen Arbeitsplatzes und weniger zu einer internen Onlinezeitung, auf die man für News zugreift. In diesem digitalen Arbeitsplatz werden Werkzeuge für die Zusammenarbeit ebenso integriert wie spezifische Anwendungen für die tägliche Arbeit und eben auch ein Newsstream, wie wir ihn von Social-Media-Plattformen wie Facebook kennen.

Der Zugang zu einem individuellen PC-Arbeitsplatz ist nicht für alle Mitarbeitenden Standard. Welche Trends beobachten Sie in diesem Kontext?

Zurzeit befragt Perikom die grössten Unternehmen der Schweiz für den «Faktencheck 2018», wobei der Fokus auf der mobilen Kommunikation liegt. Die Mehrheit der Firmen strengt sich in diesem Bereich aktuell sehr an. Es wird also in absehbarer Zeit so weit sein, dass die Mitarbeitenden mit mobilen – und häufig auch privaten – Geräten Zugriff auf etwas haben, was wir heute noch als Intranet bezeichnen.

Diese permanente Erreichbarkeit birgt aber auch Gefahren.

Die angesprochene Entwicklung bringt es mit sich, dass die Trennung zwischen Privat- und Arbeitsleben zum Teil aufgehoben wird. Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeitende müssen daher zwingend lernen, mit diesen neuen Möglichkeiten umzugehen, damit die Nachteile der Entwicklung möglichst klein gehalten werden können.

Über Perikom

Der Fachverein Perikom hat es sich zum Ziel gesetzt, die Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen für Unternehmenskommunikation und Human Resources zu verbessern. Dies geschieht z. B. über Veranstaltungen, die den Praxisaustausch und das gegenseitige Networking fördern. Ausserdem führt Perikom mit dem «Faktencheck» jährlich eine Umfrage zu den Leadkanälen bei den hundert grössten Schweizer Unternehmen durch.
www.perikom.ch

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