«Nachhaltige Beschaffung ist für Grosskonzerne ein Muss»

In den letzten Jahren ist die nachhaltige Beschaffung immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Wie die Post die Aufgabe angepackt hat, zeigt Axel Butterweck, Leiter Konzerneinkauf.

24.11.2015
Interview: Lea Freiburghaus; Fotos: Béatrice Devènes; Illustrator: Dennis Oswald, Branders
Porträt Axel Butterweck, Leiter Konzerneinkauf Post

Axel Butterweck

Zwei Drittel der Postmitarbeitenden, die an der Umfrage teilgenommen haben, finden, die Beschaffung sollte noch nachhaltiger sein als heute. Überrascht Sie das Resultat?

Nein, denn mehr und mehr Leuten – vor allem den Jungen – wird bewusst, dass es so nicht weitergehen kann. Das Umdenken beginnt, und wir tun gut daran, dem Folge zu leisten.

Was kann die Post unternehmen, um ihre Beschaffungen in Zukunft noch nachhaltiger zu gestalten?

Die nachhaltige Beschaffung wurde als Ziel in die Nachhaltigkeitsstrategie der Post aufgenommen. Wir haben für alle Warengruppen ein Nachhaltigkeitsassessment durchgeführt, mit dem Ziel festzustellen, wie gross die Gefahr einer Verletzung von ökologischen und/oder sozial-gesellschaftlichen Standards ist. Auf dieser Grundlage haben wir Nachhaltigkeitskriterien formuliert, die in Zukunft in unsere öffentlichen Ausschreibungen aufgenommen werden.

Was genau versteht man unter Beschaffungen? Für viele Postmitarbeitende war der Begriff nicht klar.

Jeder Mensch kauft ein. Sie und ich gehen am Wochenende in die Migros, kaufen Milch, Butter und Zucker, gehen zur Kasse und zahlen 15.80 Franken. Beschaffen bedeutet, dass Sie sich überlegen, welche Produkte Sie am Wochenende benötigen und sich für diese Produkte eine Offerte von Coop, Migros und Denner machen lassen. Die günstigste Offerte kommt von Denner und liegt bei 13.10 Franken. Sie gehen hin und sagen: «12 Franken». Man einigt sich auf 12.50 Franken. Das ist Beschaffung.

Wann spricht man von einer nachhaltigen Beschaffung?

Eine nachhaltige Beschaffung stellt sicher, dass grundsätzlich nur Produkte oder Dienstleistungen mit geringer Auswirkung auf Menschen und Umwelt – und zwar von der Produktion über den Transport bis hin zur Entsorgung – verwendet werden. Ein Unternehmen, das nachhaltig beschafft, sorgt dafür, dass seine Lieferanten soziale und ökologische Mindestanforderungen einhalten – zum Beispiel keine Kleider aus Kinderarbeit und keine Fahrzeuge mit CO2-Emissionen von 350 g/km verwenden. Ausserdem ist die Beschaffung nur nachhaltig, wenn Gesetze gewahrt und finanzielle Risiken minimiert werden.

Was tut die Post diesbezüglich bereits?

Wir fordern von unseren Lieferanten, dass sie den Sozial- und Ethikkodex der Post respektieren. Dieser fordert unter anderem die Einhaltung der Menschenrechte, das Verbot von Kinderarbeit, eine angemessene Entlöhnung oder die Beachtung ökologischer Prinzipien. Schon seit 2008 beschafft die Post zum Beispiel Strom vollumfänglich aus erneuerbaren Energien. Rund ein Drittel unserer Fahrzeuge sind mit alternativen Antrieben unterwegs. Und als Mitglied der Fair Wear Foundation verpflichtet sich die Post zu einer strengen Kontrolle und Umsetzung von Sozialstandards bei ihren Bekleidungslieferanten. 2015 wurde die Post dafür zum zweiten Mal mit dem höchsten Status «Leader» für ihre Erfolge ausgezeichnet.

Warum ist eine nachhaltige Beschaffung wichtig für die Post?

Die Öffentlichkeit und somit auch die Kunden zeigen heute ein grosses Interesse am Thema. Verschiedene Vorfälle in der Schweiz und anderswo haben gezeigt, dass Handlungsbedarf herrscht. Ein Grosskonzern, egal wo auf der Welt, hat eine sehr hohe soziale und politische Verantwortung, so nachhaltig wie möglich zu beschaffen.

Intranet:
Nachhaltigkeit: pww.post.ch/nachhaltigkeit
Beschaffung: pww.post.ch/kek
Nachhaltige Beschaffung: pww.post.ch/beschaffung
Internet:
Nachhaltigkeit: www.post.ch/verantwortung
Beschaffungsorganisation Post: www.post.ch/beschaffung

Ergebnisse der Oktober-Umfrage

«Sollten die Beschaffungen der Post noch nachhaltiger sein?»