«Ich habe fast alle Weihnachtsgeschenke online bestellt»

Über 18 Millionen Pakete hat die Post im Dezember vearbeitet, sagt Stefan Regli, Leiter E-Commerce. Der Online-Boom setzt sich fort.

19.01.2016
Interview: Simone Hubacher; Fotos: Ruben Wyttenbach; Illustrator: Dennis Oswald, Branders
Stefan Regli

Stefan Regli, Leiter E-Commerce der Post.

Knapp 40 Prozent der Umfrageteilnehmenden haben ihre Weihnachtsgeschenke online eingekauft. Was sagen Sie dazu?

Das Resultat spricht für sich selbst und widerspiegelt den Boom des Onlinehandels, den wir alle bei uns selber feststellen können. Auch ich habe fast alle Weihnachtsgeschenke online bestellt.

Wie stark hat sich das Konsumverhalten der Schweizer Bevölkerung in den letzten Jahren verändert?

Unser Informations- und Konsumverhalten hat sich in den letzten zehn Jahren grundlegend verändert. Heute leben wir dank der Mobile-Nutzung ortsunabhängig und wollen Angebote rund um die Uhr und an allen Tagen der Woche nutzen. Die Menschen sind es gewohnt, immer und überall einzukaufen. Dies zeigt sich am starken Wachstum des E-Commerce, das jährlich zwischen 4 und fast 10 Prozent beträgt. Nicht nur die Einkäufe werden immer öfter online getätigt: Mussten die Konsumenten früher in die Läden, um sich über die aktuellen Angebote zu informieren, tun sie dies heute vermehrt online. Zwar werden auch heute noch Produkte im Laden begutachtet oder anprobiert, aber dann immer öfters online gekauft.

Was bedeutet das für die Post?

Viele Onlineshopper akzeptieren halbprofessionelle E-Shop-Lösungen nicht mehr. Ein attraktiver Shop, sichere Zahlungslösungen, eine schnelle Logistik und ein funktionierender Kundenservice werden heute vorausgesetzt. Als einzige Anbieterin in der Schweiz kann die Post Onlinehändlern sämtliche Aufgaben entlang der Wertschöpfungskette des E-Commerce abnehmen, sodass sich diese wieder auf ihre Kernkompetenzen – den Einkauf und Vertrieb ihrer Produkte – konzentrieren können. Die Post steht insbesondere vor der Herausforderung, dass die Paketmenge und der Anteil an schnellen Priority-Sendungen steigen. Diese Veränderungen bringen die Sortierinfrastruktur und die Manpower der Post an ihre Grenzen. Deshalb baut die Post bis Ende 2016 ihre Paketzentren aus (+25 Prozent Kapazität) und stockt das Personal in der Zustellung wo notwendig auf.

Wie wird sich der E-Commerce bis in zwei bis fünf Jahren weiterentwickeln?

Auch wenn das Wachstum im Onlinehandel in Zukunft an Fahrt verlieren dürfte, wird bis 2025 nahezu eine Verdoppelung des Anteils am Detailhandel auf ca. 15 Prozent prognostiziert. Dem E-Commerce widmet die Post ein starkes Augenmerk, und sie wird dieses bei der Produktentwicklung und der Marktbearbeitung noch intensivieren. Z. B. im grenzüberschreitenden Onlinehandel oder bei mobilen Zahlungslösungen wie TWINT, um nur zwei zu nennen. Nur so können wir wettbewerbsfähig bleiben und entstehende Trends frühzeitig aufnehmen.

Wird die Post irgendwann auch Autos liefern?

Warum nicht, es gibt ja fast nichts, das die Post nicht versendet (lacht). Aber im Ernst: Nebst der Grundversorgung, wie sie im Postgesetz und der Postverordnung definiert ist, geht die Post auf die sich verändernden Kundenwünsche ein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Insbesondere im E-Commerce wird es in naher und ferner Zukunft sicher noch einige neue Services der Post geben.

Stellt die Post wegen der allgemeinen Paketzunahme aufgrund des E-Commerce mehr Personal ein?

Aufgrund des starken Wachstums rekrutieren wir seit Jahren zusätzliche qualifizierte Arbeitskräfte in der Zustellung. Die Situation wird laufend beurteilt, um rechtzeitig reagieren zu können.

Gab es vergangene Weihnachten einen neuen Rekord?

Ja, das gab es in der Tat. Die Post hat in der Vorweihnachtszeit über 18 Millionen Pakete und damit leicht mehr als im gleichen Zeitraum 2014 verarbeitet. Wir dürfen von einem neuen Spitzenwert sprechen. Ein besonderer Dank gilt hier den Mitarbeitenden in der Zustellung und den Paketzentren, die täglich eine Topleistung erbringen. Gerade die Mitarbeitenden der Zustellung sind beim E-Commerce oft der einzige persönliche Kontakt zum Endkunden. Sie repräsentieren somit nicht nur die Schweizerische Post, sondern beeinflussen auch das Image des Onlinehändlers.

Weitere Infos unter: www.post.ch/e-commerce

Ergebnisse der Dezember-Umfrage

«Haben Sie Ihre Weihnachtsgeschenke online bestellt?»