«Man muss offen und neugierig bleiben für die Entwicklungen in der Berufswelt»

Gestern Briefträger, heute Logistiker: Anne-Laure Unternährer, Arbeitspsychologin und Laufbahnberaterin bei der Post, spricht über sich wandelnde Berufe, lebenslanges Lernen und Arbeitsmarktfitness.

25.09.2018
Interview: Lea Freiburghaus; Fotos: François Wavre
  • Anne-Laure Unternährer

    Anne-Laure Unternährer, Arbeitspsychologin und Laufbahnberaterin bei der Post, über die Kunst, sich fit zu halten für den Arbeitsmarkt.

  • Anne-Laure Unternährer

    Anne-Laure Unternährer, Arbeitspsychologin und Laufbahnberaterin bei der Post, über die Kunst, sich fit zu halten für den Arbeitsmarkt.

  • Anne-Laure Unternährer

    Anne-Laure Unternährer, Arbeitspsychologin und Laufbahnberaterin bei der Post, über die Kunst, sich fit zu halten für den Arbeitsmarkt.

  • Anne-Laure Unternährer

    Anne-Laure Unternährer, Arbeitspsychologin und Laufbahnberaterin bei der Post, über die Kunst, sich fit zu halten für den Arbeitsmarkt.

  • Anne-Laure Unternährer

    Anne-Laure Unternährer spricht über die Kunst, sich für den Arbeitsmarkt fit zu halten.

Die Zeiten der PTT-Monopolberufe und der «Lebensstelle» sind vorbei. Und doch arbeiten 32 Prozent der befragten Postmitarbeitenden noch heute auf ihrem gelernten Beruf. Wie erklären Sie sich dieses Resultat?

Es hängt davon ab, was man unter «gelerntem Beruf» versteht: Meiner Meinung nach arbeitet die Mehrzahl der Postmitarbeitenden nicht mehr oder nicht mehr wie ursprünglich in dem Beruf, den sie erlernt haben. Das heisst, dass sich ihre Berufe weiterentwickelt haben.

Zählt man jene Personen mit dazu, die zwar nicht mehr auf ihrem ursprünglichen Beruf arbeiten, sich aber in ihrem Gebiet stetig weitergebildet haben, kommt man auf über 72 Prozent. Was sagt dieses Ergebnis aus über das Arbeiten bei der Post?

Es zeigt, dass die Aufgabe der Post im Kern dieselbe geblieben ist: Wir stellen Briefe und Pakete zu und verkaufen Postdienstleistungen. Damit wir aber wettbewerbsfähig bleiben, müssen wir innovativ sein, um uns den veränderten Bedürfnissen anzupassen. Deshalb bringen wir neue Dienstleistungen auf den Markt und erarbeiten Tools, für deren Handhabung sich die Mitarbeitenden neue Kompetenzen aneignen müssen.

Wann ist ein Berufs- bzw. Gebietswechsel angesagt?

Ich denke, dies ist ein kontinuierlicher Prozess: Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter muss sich für die eigene Arbeitsmarktfähigkeit selbst verantwortlich fühlen. Das heisst, sie oder er muss sich immer wieder die nötigen Kompetenzen für neue Arbeitsformen oder einen neuen Beruf erarbeiten. Dies ist die Garantie, um für die Berufswelt fit zu bleiben.

«Stillstand ist Rückschritt», heisst es. Gilt das heute wirklich?

Ja, das kann man so sagen. Nehmen wir das Beispiel Digitalisierung: Man kann sich heute nicht mehr dafür entscheiden, ohne Informatik auszukommen, also ohne Computer, Tablet, Scanner oder andere Geräte. Deshalb bleibt nur die Möglichkeit, sich diese Kompetenzen anzueignen ... oder auf der Strecke zu bleiben, während sich die Welt weiterdreht.

Wie hält man sich am besten fit für den sich stetig wandelnden Arbeitsmarkt?

Man muss offen und neugierig bleiben für die Entwicklungen in der Berufswelt und insbesondere im eigenen Fachgebiet. Zum Beispiel, indem man Weiterbildungen besucht, Stages absolviert oder temporär eine andere Funktion übernimmt. Gespräche mit anderen Berufsleuten oder die Analyse der Anforderungen in Stelleninseraten liefern ebenfalls Ideen für die berufliche Weiterentwicklung.

Wann macht eine Standortbestimmung Sinn?

Eine Standortbestimmung macht immer Sinn, besser früher als später. Wer erst aktiv wird, wenn die Reorganisation schon angelaufen oder man krankgeschrieben ist, ist zu spät. Eine Beratung im Laufbahnzentrum hat zum Ziel, Mitarbeitende bei der Analyse ihrer Arbeitsmarktfitness zu begleiten. Im Gespräch werden die bestehenden Kompetenzen aufgelistet, berufliche Möglichkeiten ermittelt und Überlegungen zu Weiterbildungen angestellt. Auch eine berufliche Umorientierung kann ins Auge gefasst werden. Die Beratung ist vertraulich, die Kosten dafür trägt die Post.

Was sollte ein Lehrabgänger im Hinblick auf seine berufliche Karriere beachten?

Er muss, wie alle anderen Mitarbeitenden auch, stets darauf achten, vermittelbar zu bleiben. Dies ist ein Paradigmenwechsel: Man kann heute nicht mehr einfach einen Beruf erlernen, auf dem man dann das ganze Leben arbeitet. Das ist sicher eine Herausforderung, aber auch eine Chance für ein erfüllendes und abwechslungsreiches Berufsleben!

Laufbahnzentrum

Sie möchten sich weiterbilden oder suchen eine neue berufliche Herausforderung? Die Beraterinnen und Berater des Laufbahnzentrums stehen den Mitarbeitenden in den fünf HUBs (Lausanne, Bern, Olten, Winterthur und Bellinzona) und in den Regionen zur Verfügung. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf unter 058 341 40 40 oder unter:

gesundheitundsoziales@post.ch

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