Ein Internet postalischer Dinge

Professor Edy Portmann vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Uni Bern erklärt die Anwendungsmöglichkeiten für PostGrid, das Internet der Dinge.

Ausgabe 6/2016
Text: Benjamin Blaser; Illustrator: Lena Teuber/C3 Creative Code and Content (Schweiz) AG
  • Edy Portmann: «IoT lässt sich bei der Sendungsverfolgung anwenden.»

    Edy Portmann: «IoT lässt sich bei der Sendungsverfolgung anwenden.»

  • Das Internet der Dinge

Edy Portmann, was müssen wir uns unter dem Internet der Dinge vorstellen?

Im Internet of Things (IoT) kann jeder Gegenstand und jeder Ort der physischen Welt Teil des Internets werden. Dank elektronischer Sensoren können die Objekte Daten über ihre Umwelt erheben, z. B. Temperatur oder Licht. Die Sensoren können diese Daten weitergeben oder eine bestimmte Reaktion auslösen. Dank grosser technischer und kostenmässiger Fortschritte ist dies heute umsetzbar. Die Technik des Low Range Wide Area Network (LoRa-WAN), die die Post erprobt, macht es möglich. Mit ihr sind wir der Realisierung des IoT ein gutes Stück näher gekommen.

Die Post will ein Internet of Postal Things (IoPT) aufbauen. Was bringt das?

Postunternehmen verfügen über ein flächendeckendes Netzwerk an physischer Infrastruktur. Ausgestattet mit Sensoren und Netzwerkverbindung können diese «Postal Things» dazu genutzt werden, Daten zu sammeln und auszutauschen. Die Schweizerische Post verfügt über ein besonders engmaschiges Netzwerk potenziell smarter Objekte: Fahrzeuge, Haltestellen, Filialen, Briefeinwürfe, Geld- und Paketautomaten, Gebäude, mobile Handscanner usw. Die Post ist in der Schweiz buchstäblich überall. Sie kann deshalb ein dichtes Netz von intelligenten Sensoren aufbauen und damit betriebliche Prozesse optimieren oder neue Produkte und Dienstleistungen anbieten.

Welche Anwendungsfälle gibt es?

IoT lässt sich beispielsweise bei der Sendungsverfolgung anwenden: Man versieht wertvolle Pakete mit einem Sensor, um sie laufend nachverfolgen zu können. Eine weitere Möglichkeit ist die automatische Nachbestellung, wenn ein Lagerbestand eine gewisse Menge unterschreitet. Das funktioniert auch in Privathaushalten: Durch einen «Smart-Button» können einfach postalische Dienstleistungen bestellt oder Nachschub von anderen Produkten angefordert werden.

Können uns neue Technologien helfen, das Kundenerlebnis besser zu gestalten?

Mittlerweile leben 75 bis 85 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer in Städten und Agglomerationen. Hinter dem Begriff Smart City steckt die Idee, die Information and Communication Technology (ICT) zielgerichtet für die nachhaltige soziale und ökologische Gestaltung des städtischen Raumes nutzbar zu machen. Dadurch lässt sich beispielsweise das Parkplatzmanagement, der Energieverbrauch oder die Abfallentsorgung optimieren. Indem es solche Daten sammelt, kann das IoPT eine wichtige Rolle einnehmen. Diese Daten können anschliessend entweder Dritten zur Verfügung gestellt oder von der Post selbst genutzt werden, um nützliche und kundenfreundliche Dienstleistungen zu entwickeln.

Anwendungsbeispiel: Lagerlogistik im Spital

Heute wird Verbrauchsmaterial in vielen Spitälern noch von Hand notiert und anschliessend via internen Webshop bestellt. Diesen zeitraubenden Ablauf vereinfacht ein smartes Schranksystem der Post erheblich: Jedem Produkt ist ein Bestellknopf zugeordnet. Sobald dieser gedrückt wird, wird eine Bestellung platziert. Das raffinierte System im Hintergrund verhindert ungewollte Zusatzbestellungen bei mehrfachem Drücken. Die mit PostGrid vernetzten Knöpfe sind aufgrund der simplen Installation und Handhabung bereits bei kleinen Arztpraxen einsetzbar.