Zehn Jahre REMA: die Revolution in der Briefverarbeitung

Mit der Inbetriebnahme der neuen Briefzentren hat die Post vor zehn Jahren eine neue Ära der Briefverarbeitung eingeläutet – das Projekt REMA war eine eigentliche Revolution, die auch heute noch andauert.

01.05.2018
Text: Gabriel Ehrbar
Briefzentrum

REMA hat in der Briefverarbeitung einen Quantensprung eingeläutet.

«Der Postsack ist tot, es lebe der Behälter» – so lautete der Titel eines Zeitungsberichtes der «Neuen Zürcher Zeitung» kurz vor der Inbetriebnahme des Briefzentrums Härkingen im Jahr 2008. Treffender hätte man das Projekt REMA (Reengineering Mailprocessing), das die Post zwischen 2001 und 2009 realisierte, nicht auf den Punkt bringen können: Auf der einen Seite der traditionelle Postsack, lange Zeit Symbol für die Briefverarbeitung, auf der anderen das neue Behältersystem, das im Verbund mit modernster Sortier- und Fördertechnik einen Quantensprung in der Briefverarbeitung einläutete. Auslöser für das 1,3 Milliarden Franken teure Projekt – das bis heute den Grundstein für zahlreiche weitere Optimierungsmassnahmen bildet – waren vor allem die nach der Jahrtausendwende anstehende Briefmarktliberalisierung sowie die wachsende Substitution des Briefes durch E-Mail, SMS und Internet.

Wegweisende Effizienzsteigerung

2001 fiel mit REMA der Startschuss für eine wegweisende Effizienzsteigerung in der Briefverarbeitung. An die Stelle von 18 landesweit verstreuten Briefzentren traten die drei Hauptzentren Zürich-Mülligen, Eclépens und Härkingen. Damit verlagerte die Post die Briefzentren aus teuren urbanen Standorten in periphere Gebiete. Dieses Vorhaben löste vor allem bei den betroffenen Kantonen und den Gewerkschaften Entrüstung aus. Sie wollten keine Stellenverluste hinnehmen. Tatsächlich plante die Post in Randregionen wie dem Wallis, Tessin und Bündnerland sowie in den Agglomerationen von Bern, Basel, Genf und Luzern den Abbau von jeweils Hunderten von Arbeitsplätzen. Die Wogen legten sich jedoch, als der Verwaltungsrat der Post neben den drei neuen Hauptzentren zusätzlich sechs regionale Logistikzentren Briefverarbeitung (LZB) in Cadenazzo, Kriens, Basel, Ostermundigen, Genf und Gossau einrichten liess.

Videocodierung ausgelagert

Zudem wurde die Videocodierung und Retourenverarbeitung aus den Briefzentren nach Chur und Sion ausgelagert. Hinzu kamen auch neun Annahmestellen für Geschäftskunden. Das sicherte Arbeitsplätze. Tausende von Stellen verlagerten sich von den bisherigen Standorten in den Städten in die neuen Zentren in der Peripherie. Um die Migration möglichst sozialverträglich und ohne Entlassungen umzusetzen, verhandelten die Post und die Gewerkschaften bereits 2003 einen Sozialplan. Er sah vorzeitige Pensionierungen sowie Abgangsentschädigungen vor. Dies und eine vorausschauende, umsichtige Personalbedarfsplanung sorgten dafür, dass die Migration ohne nennenswerte Schwierigkeiten über die Bühne ging.

Briefzentren bilden Drehscheibe

Seit der Umsetzung von REMA gelangt jeder Brief in eines der Haupt- bzw. Briefzentren (BZ). Eine Ausnahme bildet der Kanton Tessin. Aufgrund seiner Lage südlich der Alpen und der damit verbundenen, oft erschwerten Transportbedingungen wurde das LZB Cadenazzo noch vor der Eröffnung zu einem BZ umgewandelt. Die vier Briefzentren Eclépens, Härkingen, Zürich-Mülligen und Cadenazzo fungieren als eigentliche Drehscheiben für die jeweiligen Einzugsgebiete West, Mitte, Ost und Süd. Konkret laufen jährlich rund 5 Milliarden Briefe, Zeitungen, Magazine, Postkarten, Werbesendungen und Kleinwaren über die Förderbänder und Sortiermaschinen in den vier Briefzentren. Hier wird grob sortiert und der weitere Versand in die Wege geleitet. Briefe mit Adressen in derselben Region werden vor Ort fein sortiert. Die Sendungen für die anderen Regionen werden per Bahn oder LKW an das zuständige BZ oder LZB transportiert.

Verarbeitungsprozesse beschleunigt

Das ist nur ein Teil des Potenzials, das die Post mit REMA ausschöpft. Zwar werden die Distanzen, die ein Brief gegenüber früher zurücklegt, tendenziell länger. Gleichzeitig sind aber die Verarbeitungsprozesse in den letzten Jahren massiv beschleunigt worden. Mit der Gangfolgesortierung werden alle Sendungen automatisch in der Reihenfolge der Hausbriefkästen (Laufroute des Zustellboten) sortiert. Resultat: höhere Zustelleffizienz bei gleichzeitiger Kostenreduktion. Bis heute und auch in Zukunft profitiert PostMail von der Ausgangslage, die durch REMA geschaffen wurde – das Projekt bildet die Basis, um weitere Optimierungsmassnahmen umzusetzen. Ein bereits realisiertes Beispiel dafür ist das Projekt «Tuning Briefzentren und LZB», durch das 2013 die Verarbeitungsprozesse weiter verschlankt und die Handsortierungsmengen reduziert wurden.

Optimierung geht weiter

Und auch künftig gehen die Optimierungsmassnahmen bei PostMail weiter: Mit dem Projekt «MixMail» sollen demnächst neuste Technologien für eine effiziente Sortierung im Segment der Kleinwarensendungen sorgen, die durch das wachsende E-Commerce-Geschäft steigen.

Zweifellos: Zehn Jahre nach Abschluss von REMA kann sich das Resultat sehen lassen. Die Briefzentren der Schweizerischen Post gehören gestern wie heute zu den weltweit modernsten und am höchsten automatisierten. Ein Blick auf die Zustellpünktlichkeit zeigt: 2017 kamen 97,6 Prozent der A-Post- und 99 Prozent der B-Post-Briefe rechtzeitig bei ihren Empfängern an. Damit lag die Post nicht nur über den im Postgesetz festgeschriebenen Vorgaben. Sie nimmt auch international seit Jahren einen Spitzenplatz ein. Und auch die Kosteneinsparung von jährlich 170 Millionen Franken – notabene ein zentrales Anliegen von REMA – konnte realisiert werden. «Nach Abschluss der letzten Umsetzungsetappe von REMA konnten ab 2010 die durch das Projekt vorgesehenen Einsparungen tatsächlich realisiert werden», sagt Walter Gygax, Leiter Prozessmanagement Annahme und Sortierung bei PostMail, der von Beginn weg im Projekt REMA dabei war.

Der Postsack mag tot sein, die Reise des Briefes jedoch geht weiter. Nicht zuletzt dank REMA – der Revolution in der Briefverarbeitung, von der die Post bis heute und auch in Zukunft profitiert.

Briefverarbeitung in Zahlen

5 Mrd. Briefe, Zeitungen, Magazine, Postkarten und Werbesendungen werden jährlich verarbeitet.

15 000 Mitarbeitende sorgen von der Annahme über die Sortierung bis zur Zustellung dafür, das täglich 17 Millionen Sendungen pünktlich am richtigen Ort ankommen.

30 000 Sendungen sortiert eine Sortieranlage pro Stunde.

Die Gesamtlänge der Förderbänder in den Briefzentren beträgt 34 Kilometer.

99 Prozent der B-Post-Briefe und 97,6 Prozent der A-Post-Briefe kommen rechtzeitig bei den Empfängern an.