Zehn Jahre REMA: Das sagen Mitarbeitende

Höhere Effizienz, tiefere Kosten: Das Projekt REMA wurde erfolgreich umgesetzt. Aber wie wirkte es sich auf den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden aus? Wie hat sich ihr Job verändert? Langjährige PostMail-Mitarbeitende erzählen.

Ausgabe 4/2018
Text: Demian Halter, Manuela Hess
  • Karin Rüegg

    Karin Rüegg, Mitarbeiterin Logistikzentrum Retourenverarbeitung und Videocodierung (LRV) Chur

  • Mike Gut

    Mike Gut, stellvertretender Teamleiter Zustellung, Schaffhausen

  • Abdallah Saidi

    Abdallah Saidi, Mitarbeiter Sortierung, Briefzentrum Eclépens

  • Bruno Zemp

    Bruno Zemp, Leiter Annahme und Sortierung PostMail

«Es war eine grosse Umstellung»

Karin Rüegg, Mitarbeiterin Logistikzentrum Retourenverarbeitung und Videocodierung (LRV) Chur

«Ich arbeite bereits seit 1997 bei der Post – seit jeher in Chur. Als ich damals von REMA erfuhr, war mir schon etwas mulmig zumute: Wird der Standort Chur bleiben? Wird es überhaupt noch Arbeit geben? Die Erleichterung war gross, als bekannt wurde, dass der Standort Chur erhalten bleiben würde. Unser Briefzentrum wurde aber im Rahmen des Projekts in ein LRV umgewandelt. Dadurch änderte sich so einiges in meinem Arbeitsalltag: Ich musste mich an die Retouren gewöhnen und den Umgang mit dem Computer üben. Postsäcke gabs plötzlich keine mehr. Das war eine grosse Umstellung. Die neuen Prozesse waren aber schnell verankert, und ich hatte in der Übergangsphase den Eindruck, dass das Projekt gut aufgegleist worden war. Veränderungen wird es immer geben. Meine Devise lautet: Alles nehmen, wie es kommt, und das Beste daraus machen. Heute ist meine Arbeit abwechslungsreich, spannend und körperlich weniger anstrengend als vor REMA. Für mich stimmt das so.»

«Kürzere Einsätze, flexiblere Zeiteinteilung»

Mike Gut, stellvertretender Teamleiter Zustellung, Schaffhausen

«Seit 1987 habe ich gelbes Blut. Als REMA kam, war ich Teamleiter in der Zustellung in Zürich. REMA – dieses Wort löste in unserem Team schon gewisse Ängste aus: maschinelle Verarbeitung – wie soll das gehen? Ich persönlich war von Anfang an guter Dinge, da das Projekt viele Fortschritte versprach. Während des Übergangs wurden wir gut begleitet, das half sehr und nahm vielen Mitarbeitenden ihre Sorgen. Als das Projekt schliesslich durch und die neuen Prozesse etabliert waren, hatten sich auch die letzten Skeptiker unter uns überzeugen lassen: Aus zweiteiligen Diensten mit langen Arbeitstagen wurden kürzere Einsätze mit flexiblerer Zeiteinteilung. Diese Flexibilität, die REMA brachte, ist noch heute besonders wertvoll: Ich kann nach der Zustelltour auch einmal um 13 Uhr nach Hause gehen, um den Nachmittag mit meinen Kindern zu verbringen. Das schätze ich sehr. Was sich übrigens auch mit REMA nicht verändert hat, ist die grosse Vielfalt meiner Aufgaben in der Zustellung.»

«Automatisierungen vereinfachen unser Leben»

Abdallah Saidi, Mitarbeiter Sortierung, Briefzentrum Eclépens

«Als ich von REMA erfuhr, reagierte ich zuerst sehr skeptisch. Durch das Projekt hiess mein Arbeitsort nämlich plötzlich Eclépens. Jeden Tag von meinem Wohnort Genf ins neue Briefzentrum und zurück – eine ganz schön weite Strecke! Da ich drei Kinder habe, kam auch ein Umzug nicht infrage, das hätte ihr Leben auf den Kopf gestellt. Für mich war somit klar, dass ich das Pendeln auf mich nehme. Im BZ Eclépens zeigten sich aber rasch die Vorteile von REMA: Unsere Arbeit ist im Vergleich zu vorher körperlich viel weniger anstrengend; die Automatisierungen vereinfachen unser Leben enorm. Das weiss ich zu schätzen – man wird ja nicht jünger! Noch heute erfüllt mich meine Arbeit, bei der ich stets in Bewegung bleibe, mit viel Freude. Sonst würde ich der Post nicht seit 1998 die Treue halten. Es macht mich stolz, bei der weltbesten Post zu arbeiten und täglich mein Bestes für unsere Kunden zu geben. Dafür nehme ich auch den längeren Arbeitsweg in Kauf.»

«Troubleshooting auf höchstem Niveau»

Bruno Zemp, Leiter Annahme und Sortierung PostMail

«Ich kam 2003 als Leiter Region Mitte zu PostMail. Der damalige Leiter Briefpost Joseph Bösch stellte mich ein, kurz nachdem er den Verwaltungsrat und die Konzernleitung von seiner grossen Vision überzeugt hatte: in ein revolutionäres Projekt in der Briefsortierung zu investieren, obwohl die Mengen schon damals rückläufig waren. Die 18 Briefzentren operierten vor REMA unterschiedlich, jedes im Rahmen seiner Möglichkeiten und unter individuellen Gegebenheiten. Es existierten viele verschiedene Prozesse und Gebinde, standardisiert war wenig; 17 Prozent aller normalformatigen Sendungen mussten von Hand sortiert werden.

Heute liegt dieser Anteil bei rund 4 Prozent. Die Einführung des Briefbehälters, kombiniert mit dem Einsatz der modernsten Förder-, Sortier- und Lagertechnik, machen den Erfolg von REMA und somit den Erfolg der heutigen Briefsortierung der Schweizerischen Post aus. Die Logik, die hinter unseren Prozessen steckt, gilt bis heute weltweit als revolutionär und vorbildlich – auch, weil wir sie stetig weiterentwickeln. Wichtig ist, dass wir weiterhin zukunftsorientiert denken und handeln. Gerade mit Blick auf die steigenden Kleinwarenmengen.

Für mich war es eine riesige Freude, REMA mitzuprägen. Mich beeindruckt bis heute, wie damals insbesondere die Betriebsleiter bei der Inbetriebnahme der neuen Zentren über lange Zeit ein ‹Troubleshooting› auf höchstem Niveau betrieben. Wann immer etwas passierte – ein Stromausfall, eine fehlerhafte Maschine – entschieden sie situativ, eigenverantwortlich, schnell und richtig. Überhaupt: Der Einsatz der Mitarbeitenden war ausserordentlich. Manche pendelten während Monaten zwischen zwei verschiedenen Standorten hin und her. Der Pioniergeist war bei allen spürbar. Deswegen sage ich auch zehn Jahre später von Herzen: Danke, danke, danke!»

Was ist REMA?

In einer mehrteiligen Serie blickt die Mitarbeiterzeitung auf das Projekt REMA (Reengineering Mailprocessing) zurück, das die Post zwischen 2001 und 2009 realisierte. Im Rahmen des Projekts – das bis heute als Fundament für viele weitere Massnahmen zur Optimierung der Briefverarbeitung dient – wurden die drei Hauptzentren in Zürich-Mülligen, Eclépens und Härkingen in Betrieb genommen. Doch REMA brachte auch darüber hinaus viel Neues: etwa die Ablösung des Postsacks durch das neue Behältersystem oder die Verlegung der Videocodierung nach Chur und Sitten.