«Wir werden das Vertrauen in die Post wieder aufbauen»

Während die PostAuto-Fahrer unermüdlich für einen zuverlässigen Postautoverkehr sorgen, läuft die unabhängige Untersuchung zur Aufarbeitung der Buchungspraxis bei PostAuto weiter.

Ausgabe 3/2018
Interview: Fredy Gasser

Urs Schwaller, Verwaltungsratspräsident der Post

Herr Schwaller, wurde die Untersuchung zur unrechtmässigen Buchungspraxis der PostAuto AG durch das Bundesamt für Polizei (fedpol) gestoppt, wie in den letzten Wochen zu lesen war?

Nein, nach anfänglichen Unklarheiten sind wir uns nun mit dem fedpol einig: Die Untersuchung, welche die Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard und die Wirtschaftsprüfer von EY (Ernst & Young) im Auftrag der Post durchführen, läuft auf Hochtouren weiter. Auch das unabhängige Expertengremium kann seine Arbeit auf dieser Basis fortsetzen und die Ergebnisse der Untersuchung begutachten. Zudem ist dieses Gremium mit dem ausgewiesenen Wirtschaftsprüfer Stephan Bachmann seit Ende April wieder komplett besetzt.

Wann rechnen Sie mit Resultaten?

Ich rechne nach wie vor damit, dass wir die Ergebnisse im ersten Halbjahr 2018 präsentieren können.

Kann das Vertrauen in PostAuto wiederhergestellt werden?

Davon bin ich überzeugt. Die Schweizerische Post ist ein gut aufgestelltes Unternehmen. Nur mit einer vollständigen Aufklärung können wir das Vertrauen wieder aufbauen. Das schulden wir unseren Mitarbeitenden, die täglich einen grossartigen Job leisten. Für unsere Post setze ich mich mit aller Kraft ein.

Untersuchung PostAuto

Die unabhängige Untersuchung wird von Fachspezialisten der Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard in Zusammenarbeit mit EY (Ernst & Young) durchgeführt. Zusätzlich wird ein unabhängiges Expertengremium die Resultate dieser Untersuchung beurteilen und einen entsprechenden Bericht zuhanden des Verwaltungsratspräsidenten erstellen. Die Vorgänge bei PostAuto sollen darin lückenlos aufgearbeitet und die Verantwortlichkeiten geklärt werden. Ziel dieses Vorgehens ist es, neben der Untersuchung der Sachverhalte Schwachpunkte in den Prozessen zu identifizieren und Vorschläge auszuarbeiten, um sicherzustellen, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen.

PostAuto: Der Blick vorwärts

Mit Hochdruck wird derzeit daran gearbeitet, die Zukunft der «gelben Klasse» wieder auf ein solides Fundament zu stellen. Konzernleiterin Susanne Ruoff hat im Februar Thomas Baur, Leiter PostNetz, zum interimistischen Leiter PostAuto ernannt. Damit wurde die Weiterführung des operativen Geschäfts sichergestellt. Gleichzeitig gab die Konzernleiterin mehrere Initiativen in Auftrag: Eine Taskforce berät über strategische Themen rund um die Zukunft von PostAuto. Zudem führt Baur seit Anfang März Gespräche mit den Regierungsräten der Kantone sowie mit dem Bundesamt für Verkehr (BAV). Damit soll eine Vertrauensbasis mit den Bestellerkantonen geschaffen werden. Im weiteren Verlauf sollen dann unter Federführung des BAV die zu viel erhaltenen Abgeltungen an die Kantone zurückbezahlt werden. Auch mit den PostAuto-Unternehmern wurde ein Dialog gestartet, um das Vertrauen für die künftige Zusammenarbeit zu stärken. Intern wurden schweizweit zahlreiche Dialogveranstaltungen mit Mitarbeitenden von PostAuto durchgeführt. Die Suche nach einer neuen Leitung von PostAuto ist noch im Gange, ebenso die Suche nach einem neuen Finanzchef für PostAuto.