«Um Vertrauen zurückzugewinnen, brauchen wir einen Neuanfang»

Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller beantwortet zentrale Fragen zu den Massnahmen im Konzern Post und bei PostAuto.

Ausgabe 3/2018
Interview: Andreas Guler

Urs Schwaller, Verwaltungsratspräsident der Post

Herr Schwaller, Sie haben harte Konsequenzen bis auf die höchste Managementstufe bekanntgegeben. Was gab den Ausschlag?

Wir haben uns im Verwaltungsrat intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie weit die personellen Konsequenzen gehen sollen. Der Untersuchungsbericht und das Expertengutachten sprechen eine deutliche Sprache. Was da passiert ist, ist inakzeptabel. Und die Berichte zeigen die Sachverhalte dafür auf. Bei Personen mit besonderer Verantwortung, die entweder am System beteiligt oder trotz zahlreicher Hinweise über Jahre nicht eingeschritten sind, fehlt das nötige Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit.

Hätte es nicht andere Wege gegeben, das Vertrauen wiederherzustellen?

Der Vertrauensverlust intern und auch in der Öffentlichkeit in PostAuto und die Post ist enorm. Nun sind der Sachverhalt und die Verantwortlichkeiten anhand beweiskräftiger Dokumente geklärt. Um das verspielte Vertrauen wiederherzustellen, ist ein Neuanfang zwingend notwendig. Das sind wir den Geschädigten und auch den Mitarbeitenden schuldig, die seit Monaten unter diesem Skandal leiden.

Neben personellen hat der Verwaltungsrat weitere Massnahmen beschlossen. Was ist Ihnen am wichtigsten?

Mit personellen Konsequenzen ist es nicht getan. Deshalb haben wir zusätzlich ein Paket operationelle Massnahmen beschlossen. Für die Zukunft ein zentrales Element ist, dass «IMPRESA» und somit die per 1. Januar 2016 eingeführte Holdingstruktur rückgängig gemacht wird. An deren Stelle soll eine transparente Organisationsform treten, die nicht den geringsten Verdacht auf Mauschelei zulässt.

Was hat Sie am meisten beschäftigt beim Lesen des Untersuchungsberichts?

Neben dem systematischen Hintergehen der Geschädigten ist für mich besonders erschreckend, dass die internen Kontrollmechanismen auf allen Ebenen versagt haben. Die langjährige Praxis hat offensichtlich dazu geführt, dass das kollektive Bewusstsein dafür, was rechtens ist, komplett verloren ging. Das darf nicht mehr passieren. Deshalb liegt mir besonders am Herzen, dass in der ganzen Post wieder eine Kultur der Ehrlichkeit, Offenheit und des Vertrauens Einzug hält. Und dazu können jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter aktiv beitragen.

Wie geht es nun weiter? Ist die Angelegenheit für Sie nun abgeschlossen?

Die nun erfolgte Aufarbeitung ist ein wichtiger Schritt. Wir ziehen mit den Massnahmen die Konsequenzen und Lehren daraus. Trotzdem dürfen wir uns keine Illusionen machen: Wir stehen erst am Anfang eines langen, weiterhin beschwerlichen Weges. Die Umsetzung wird den Konzern und PostAuto weiter stark beschäftigen. Der Verwaltungsrat begleitet den Prozess sorgfältig und eng. Denn es ist klar: Wir stehen in der Verantwortung und setzen alles daran, dass sich ein solch gravierendes Fehlverhalten nicht wiederholen kann. Das sind wir den Kunden, den Geschäftspartnern und der öffentlichen Hand schuldig. Überdies erhoffe ich mir weitere Klarheit durch die angekündigte strafrechtliche Untersuchung des Fedpol, die ich ausdrücklich begrüsse. Die Post und PostAuto werden also weiter im Fokus bleiben.