«Solche Schneemengen hatten wir seit 20 Jahren nicht mehr»

In Zermatt lag der Schnee in diesem Winter meterhoch. Der beliebte Wintersportort war zeitweise sogar von der Umwelt abgeschnitten. Für die Zermatter Zustellerin Edith Lengen kein Grund, sich aus der Ruhe bringen zu lassen.

12.03.2018
Text: Maja Guldenfels; Fotos: Marc Kronig
  • Edith Lengen

    Winterliche Bedingungen ist sie gewohnt: Edith Lengen auf Zustelltouren im Weiler Furi oberhalb von Zermatt.

  • Edith Lengen

    Die Zustellerin unterwegs mit dem Elektromobil. Im Hintergrund thront das Matterhorn.

  • Edith Lengen

    Meterhohe Schneewände, schmale Trampelpfade und Skifahrer im Gegenverkehr waren in diesem Winter Alltag für Edith Lengen.

  • Edith Lengen

    Meterhohe Schneewände, schmale Trampelpfade und Skifahrer „im Gegenverkehr“ waren in diesem Winter Alltag für Edith Lengen.

  • Edith Lengen

    Meterhohe Schneewände, schmale Trampelpfade und Skifahrer „im Gegenverkehr“ waren in diesem Winter Alltag für Edith Lengen.

  • Edith Lengen

    Meterhohe Schneewände, schmale Trampelpfade und Skifahrer „im Gegenverkehr“ waren in diesem Winter Alltag für Edith Lengen.

  • Edith Lengen

    Pakete statt Skis: Edith Lengen, bereit für die Gondelfahrt nach Furi.

  • Edith Lengen

    Sie ist in der Gegend aufgewachsen und kennt viele Leute: Edith Lengen im Gespräch mit einer Kundin.

Diesen Winter stapfte Edith Lengen auf ihren Zustelltouren durch viel Neuschnee und erreichte ihre Kunden über schmale Pfade, vorbei an meterhohen Wänden aus Schnee: Die PostMail-Zustellerin wohnt und arbeitet seit eineinhalb Jahren im autofreien Zermatt. Zusammen mit ihren Teamkollegen stellt sie dort Briefe, Zeitungen und Pakete mit dem Elektromobil zu. Den Weiler Furi oberhalb von Zermatt auf rund 1800 Meter über Meer erreicht sie mit der Gondelbahn, weiter gehts zu Fuss.

Edith Lengen, wie ist es, in einem Ort zu leben und zu arbeiten, wo andere Ferien machen?

Mir gefällt es sehr gut. Ich bin hier in der Gegend aufgewachsen und kenne viele Leute, halte da und dort ein Schwätzchen. Und ich arbeite gerne draussen. An der schönen Aussicht auf die Berge kann ich mich nicht satt sehen – ich geniesse sie immer wieder aufs Neue.

Diesen Winter boten die Schneemassen in Zermatt ein besonderes Bild.

Ja, nach den letzten, schneearmen Jahren war das ein Erlebnis! Solche Schneemengen hatten wir wohl seit 20 Jahren nicht mehr.

War das eine Herausforderung für die Zustellung?

Ja, schon. Andererseits wissen wir ja, wie damit umgehen. Wir sind ausgerüstet. Unsere Elektromobile sind mit Schneeketten unterwegs, und wir ziehen uns warm an.

Wie lief es, als Zermatt im Januar von der Umwelt abgeschnitten war?

Wir erhielten am Morgen vom Teamleader ein SMS und blieben ganz einfach zu Hause. Danach packten wir umso mehr an, um die aufgestauten Briefe und Pakete so schnell wie möglich zu verteilen.

Keine verärgerten Kunden?

Nein, die wussten ja, warum die Post nicht kam. Da haben die Leute Verständnis.

Haben Sie beim Zustellen im Winter schon brenzlige Situationen erlebt?

Bei starken Niederschlägen kann es ein, zwei Tage dauern, bis der Schnee von den Strassen geräumt ist. Dann kommen einem auf der Strasse Skifahrer entgegen. Da muss man vorsichtig sein. Aber sonst … nein.

Sie stellen Briefe und Pakete zu und bringen sie sogar mit der Seilbahn hoch nach Furi. Gerade in der Hochsaison kommt einiges zusammen. Wie schaffen Sie das?

Mir macht es nichts aus, wenn es anstrengend ist. Ich mag das. Und wenn ich die Mengen alleine nicht bewältigen kann, erhalte ich Hilfe vom Team. In Furi verteile ich nur das, was ich selber tragen kann. Grössere Pakete bleiben bei der Seilbahnstation. Die Kunden holen die Pakete selbst dort ab.

Sie haben auch schon im Flachland gearbeitet. Würden Sie wieder tauschen?

(lacht) Nein! Die Sonne in Zermatt ist mir lieber als der Nebel in Olten.