«PostAuto bleibt PostAuto!»

Seit 17. Dezember sind in Sitten die ersten Shuttles erfolgreich unterwegs. Daniel Landolf, Leiter PostAuto, über die grössten Herausforderungen dieser Technologie.

19.01.2016
Interview: Annick Chevillot; Fotos: Cédric Widmer
  • Selbstfahrendes Shuttle

    Das erste selbstfahrende Shuttle der Post.

  • Selbstfahrendes Shuttle

    Daniel Landolf vor dem selbstfahrenden Shuttle in Sitten.

Wie finden Sie persönlich die Shuttles: Schön, praktisch, gross genug?

Ich finde die Shuttles schlicht herzig. Vielleicht liefern sie die Vorlage für ein neues Plüsch-Postauto.

Was ist Ihrer Meinung nach das grösste Potenzial dieser Technologie?

PostAuto wandelt sich vom reinen ÖV-Unternehmen zu einem ganzheitlichen Mobilitätsanbieter. Wir wollen Erfahrungen sammeln für neue Formen der Personenmobilität und die Möglichkeit schaffen, Orte zu erschliessen, die bisher vom ÖV nicht bedient wurden. Seien dies Begegnungszonen, autofreie Dörfer oder Firmengelände. Ich bin überzeugt, dass wir dafür der naheliegendste Anbieter sind.

Welches sind die grössten Herausforderungen dieser Technologie?

Das wollen wir in den nächsten zwei Jahren herausfinden. Sicher aber gehören dazu die Planung der Routen und Haltestellen, die konkreten Einsatzzeiten – Wir rechnen damit, dass wir an fünf bis sechs Tagen pro Woche Fahrten anbieten können. Auch die Suche nach einem Standort in der Altstadt für die Fahrzeuge und als Zentrale für den Versuch. Ebenso wesentlich sind die Bewilligungsverfahren, die durchlaufen werden müssen. Schliesslich wird die grösste Herausforderung sein, die gesetzlichen Grundlagen für einen flächendeckenden öffentlichen Betrieb in der Schweiz zu schaffen. Neben der technischen, betrieblichen und rechtlichen Machbarkeit wollen wir auch herausfinden, wie hoch die Akzeptanz ist.

Die Tests dauern zwei Jahre. Ab wann kann die Bevölkerung die Shuttles selber ausprobieren?

Voraussichtlich ab Frühling oder Frühsommer 2016. Wir hoffen, dass wir die notwendigen Bewilligungen erhalten, um mit der Testphase starten zu dürfen. Bis dahin sind die beiden Fahrzeuge auf einem abgesperrten Gelände unterwegs. Wir wollen so die Technik austesten und die Grundlagen für die notwendigen Bewilligungen erarbeiten.

Wieso hat man Sitten als Standort gewählt?

Weil wir in der Sittener Innenstadt mit einem Mix an Strassen, Gassen und Plätzen ideale Bedingungen für diese Tests vorfinden. Zudem wird der Versuch im Rahmen des Mobilitätslabors abgewickelt, das wir hier in Sion zusammen mit der Stadt Sion, dem Kanton Wallis, der EPFL und der HES-Suisse Occidentale betreiben. Diese schöne Zusammenarbeit wird jetzt noch intensiver.

Will PostAuto mit den führerlosen Fahrzeugen künftig Personal einsparen?

Dank den Fahrerinnen und Fahrern hat PostAuto seinen ausgezeichneten Ruf als «die gelbe Klasse». Eines möchte ich dem Fahrpersonal daher mitgeben: Seien Sie ob der neuen Entwicklungen unbesorgt! Auch in einer Zukunft mit autonomen Fahrzeugen werden wir Linienverkehr mit Fahrerinnen und Fahrern betreiben. PostAuto bleibt PostAuto!