Nächster Halt Guinea

Ausrangierte Postautos landen nicht etwa auf dem Schrottplatz, sondern fahren im Ausland weiter.

26.04.2017
Text: Sandra Gonseth; Fotos: Yoshiko Kusano
Urs Schläpfer

Urs Schläpfer, Leiter Beschaffung und Flottenmanagement bei PostAuto: «Jährlich ersetzen wir 150 bis 200 veraltete Postautos durch neue.»

Der Basler Lukas Biry entdeckte auf seiner Radtour von Kamerun nach Zürich laut «Blick» etwas, das in ihm Heimatgefühle weckte: An einem Strassenrand in Guinea stand in brütender Hitze ein völlig verstaubtes Schweizer Postauto. Auch weitere Blickleser sendeten nach einem Aufruf Bilder von den gelben Bussen im Ausland, etwa aus Sibirien, Rumänien und der Ukraine. Doch wie ist das möglich? «Jährlich ersetzen wir 150 bis 200 veraltete Postautos durch neue», erklärt Urs Schläpfer, Leiter Beschaffung und Flottenmanagement bei PostAuto.

Neues Outfit

Die ausrangierten Postautos landen aber nicht etwa auf dem Schrottplatz, sondern werden meistens an Zwischenhändler, ausländische Transportunternehmen oder Organisationen für Entwicklungshilfe verkauft. Neben afrikanischen Staaten sieht man sie häufig in Südosteuropa. Auch in Italien ist die Wahrscheinlichkeit hoch, auf ein ausgedientes Schweizer Poschi zu stossen. Doch oft verliert sich ihre Spur auch einfach. «Wir wissen nicht, wo genau unsere ehemaligen Fahrzeuge zum Einsatz kommen», so Urs Schläpfer. Damit ein Postauto im Ausland seinen Betrieb wieder aufnehmen darf, wird sein Outfit radikal verändert: Neben dem Logo mit dem Posthorn muss der neue Besitzer auch die roten Seitenstreifen entfernen. Das Postgelb darf bleiben. Und: Die Busse dürfen nur im Ausland eingesetzt werden, weil sie sonst die heimische Fahrzeugflotte konkurrieren würden. Aktuell sind in der Schweiz 2242 Fahrzeuge für PostAuto unterwegs.

Grosse Nachfrage

Doch wie lange darf ein Postauto überhaupt auf Schweizer Boden fahren? «Meistens haben die Busse die durchschnittliche Altersgrenze von zwölf Jahren erreicht und weisen eine entsprechend hohe Kilometerzahl auf dem Tacho auf», sagt Urs Schläpfer. Oder es handelt sich um Unfallfahrzeuge. Doch eines haben die gut gewarteten Fahrzeuge alle gemeinsam: Weil sie sich in einem einwandfreien Zustand befinden, sind sie weltweit sehr gefragt. Wer ein Postauto kaufen möchte, wird an einer Auktion in Bern fündig. Dort werden die Occasionsbusse anhand von Marke, Typ, Alter, Grösse und Kilometerstand dem Meistbietenden verkauft.