«Die Post bietet nationalen und internationalen Händlern ihre Lösungen an»

Die Meldung, dass die Post die Verzollung von Amazon-Sendungen und deren Zustellung übernimmt, hat in den Medien und in der Politik für einige Diskussionen gesorgt. Man baue aber keine spezielle Infrastruktur auf, betont der Leiter von PostLogistics, Dieter Bambauer.

01.05.2018
Interview: Antonio Milelli
  • Dieter Bambauer

    Dieter Bambauer, Leiter PostLogistics

  • Auch Amazon-Päckchen durchlaufen die 
Paketzentren der Post.

    Auch Amazon-Päckchen durchlaufen die Paketzentren der Post.

Dieter Bambauer, die Post stellt schon seit Längerem Pakete von Amazon zu. Was wird sich im Jahr 2018 verändern?

Wie auch unsere Konkurrenten stellen wir schon lange Sendungen von Amazon zu, die wir über den internationalen Postkanal erhalten. Im Verlauf des Jahres 2018 wird neu ein Teil der Amazon-Sendungen direkt importiert. Diese Sendungen liefert Amazon im Sortierzentrum Urdorf und im Paketzentrum Daillens an. Dort nehmen wir deren Verzollung vor. Danach werden sie im Brief- und Paketkanal verarbeitet und den Empfängern zugestellt. Die übrigen Sendungen gelangen weiterhin über den internationalen Postkanal in die Schweiz.

Was ist der Unterschied zwischen der Übernahme der Sendungen aus dem Postkanal und der direkten Anlieferung durch Amazon an die Post?

Dank des Direktimports sind für die Kunden im Checkout-Prozess des Amazon-Shops die Versand- und Zollkosten transparent ersichtlich und werden zusammen mit dem Produkt bezahlt. Ein weiterer Vorteil für die Kunden ist die bessere Customer Experience. Im Gegensatz zu den Sendungen aus dem «normalen» internationalen Postkanal sind für Direktimporte unsere Empfängerleistungen verfügbar.

Muss die Post dafür eine spezielle Logistikinfrastruktur aufbauen?

Nein, wir bauen für Amazon keine spezielle Logistikinfrastruktur auf. Die Importverzollung und die Zustellung von Brief- und Paketsendungen sind eine Kernkompetenz der Post, die sie auch für viele andere internationale Kunden anbietet. Die Dienstleistungen für Amazon werden ausschliesslich mit Standardprozessen erbracht, in die sich Amazon einfügt.

In verschiedenen Medien konnte man lesen, durch die neuen Prozesse würden Bestellungen im Amazon-Shop nun innerhalb von 24 Stunden zugestellt. Stimmt das?

Ab dem Zeitpunkt der Anlieferung der Sendungen durch Amazon verarbeiten wir die Sendungen innerhalb der üblichen Fristen. So werden Priority-Pakete und A-Post-Plus-Briefe den Empfängern am Tag nach der Anlieferung in der Schweiz zugestellt. Die Zeit, welche Amazon für die Kommissionierung der Sendungen und die Lieferung in die Schweiz benötigt, kommt zusätzlich zur gesamten Versanddauer hinzu – auf diese haben wir keinen Einfluss.

Einzelne Politiker werfen der Post vor, mit einer Zusammenarbeit mit Amazon mache sie den Schweizer Detailhandel kaputt. Ist der Vorwurf gerechtfertigt?

Nein, dieser Vorwurf entbehrt jeglicher Grundlage. Die Post ist sich ihrer volkswirtschaftlichen Verantwortung bewusst und ist an einem funktionierenden Schweizer Onlinehandel interessiert. Mit ihren Dienstleistungen trägt sie bestmöglich dazu bei, dass dieser weiterhin floriert. Tatsache ist: der elektronische Handel kennt keine Grenzen. Darum stehen Schweizer Händler – egal ob stationär oder online – im direkten Wettbewerb mit internationalen Anbietern. Die Post ist im Zusammenspiel der verschiedenen Akteure im Onlinehandel eine logistische Dienstleisterin: Wir bieten nationalen wie auch internationalen Online-Händlern unsere E-Commerce-tauglichen Lösungen an. Ähnliche Lösungen offerieren allerdings auch unsere international operierenden Mitbewerber.

Aber trifft die Post mit ihrer aktiven Rolle nicht eine Mitschuld an den Problemen des Detailhandels?

Es sind die Kunden, die mit ihrem veränderten Einkaufsverhalten die Umwälzungen im Detailhandel auslösen, und nicht die Post. Es ist ein Fakt, dass Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten zunehmend Waren aus dem Ausland bestellen. Mit ihrem globalen Einkaufsverhalten treiben sie den Onlinehandel weiter an. Aus Sicht der Post lösen nicht die Versandkosten den Impuls zum weltweiten Einkauf aus, sondern die Produktpreise und das Angebot ausländischer Onlineanbieter.