«Der gute Ruf der Post hängt vor allem von unserer täglichen Arbeit ab»

Seit gut einem Monat ist Roberto Cirillo als Konzernleiter im Amt. Sein Vorgänger Ueli Hurni und er zeigen sich zuversichtlich: Das Team sei topmotiviert und die Kunden seien grundsätzlich zufrieden. Darauf gelte es jetzt die Zukunft der Post aufzubauen.

07.05.2019
Text: Fredy Gasser; Fotos: Lena Schläppi
Roberto Cirillo (l.) und Ueli Hurni.

«Ich glaube, Ueli unterschätzt, was er bisher für mich geleistet hat, in den Wochen vor meinem Antritt und auch jetzt, seit ich da bin», sagt der neue Konzernleiter Roberto Cirillo über seinen Vorgänger Ueli Hurni. «Ich schätze sehr, wie gut wir zusammenarbeiten.»

Herr Cirillo ...

… «Roberto», bitte. Für unsere Mitarbeitenden bin ich Roberto.

Gerne, Roberto: Vor gut zwei Wochen hast Du dich den Medien präsentiert – hat Dich das grosse Interesse an deiner Person überrascht?

Das Interesse der Medien ist verständlich. Es geht ja letztlich nicht um meine Person, sondern um die Post, die für die ganze Bevölkerung eine Rolle spielt – und wenn die Post einen neuen Chef präsentiert, interessiert das viele.

Herr Hurni …

Bleiben wir doch beim Du …

Ueli, Du hast Roberto in seine Aufgabe eingeführt – was hast Du ihm als erstes gezeigt?

Eine Liste mit den aktuellen Geschäften, namentlich den Arbeiten für eine aktuelle Gesamtschau der Post. Wichtig waren sicher auch der Anlass mit dem Topkader und die Besuche bei den Mitarbeitenden am Hauptsitz in Bern und in den Brief- und Paketzentren in Härkingen. Geplant ist auch bereits, dass er eine Zustelltour begleitet.

Was ist das Wichtigste, dass Du ihm mitgeben willst?

Ueli Hurni: Ich habe mir vorgenommen, Roberto keinen Ratschlag zu geben. Er soll die Post auf seine Art führen – er bringt eine grosse Führungserfahrung mit, er kennt grosse Konzerne. Kurz: Ich bin da, wenn er mich braucht.

Roberto Cirillo: Ich glaube, Ueli unterschätzt, was er bisher für mich geleistet hat, in den Wochen vor meinem Antritt und auch jetzt, seit ich da bin. Ich schätze sehr, wie gut wir zusammenarbeiten.

Roberto, Du betonst immer wieder, wie wichtig Dir das Gespräch mit den Mitarbeitenden ist und dass Du ihnen vor allem zuhören willst. Weshalb?

Es sind zwei Elemente: Ich habe den grössten Respekt vor all jenen, die täglich von früh bis spät unsere Dienstleistungen erbringen. Zweitens wissen alle, die im direkten Kundenkontakt arbeiten, ganz genau, was für Bedürfnisse unsere Kunden haben. Für mich ist es eine unternehmerische Notwendigkeit, dass ich diese Informationen erhalte und möglichst schnell die Bedürfnisse von Kunden und Mitarbeitenden verstehe.

Es vergeht keine Woche, ohne dass die Post nicht in den Schlagzeilen ist – ist dies etwas Neues für Dich?

Neu ist das Ausmass der Berichterstattung über das von mir geführte Unternehmen, das habe ich bisher so nicht erlebt. Aber unser Eigner ist der Bund, die Post steht also sehr exponiert in der Öffentlichkeit. Darum interessieren sich auch die Medien sehr für uns.

Die Medien berichten über die Post immer wieder sehr kritisch.

Das gehört dazu. Wichtig ist mir, dass sich unsere Mitarbeitenden immer wieder vor Augen halten, dass 99,9 Prozent von dem, was sie leisten, von höchster Qualität ist. Wir sind zweimal hintereinander zur besten Post der Welt gewählt worden und sind zurecht stolz darauf. Auf dieser Basis können wir gemeinsam die Zukunft aufbauen. Das ist mir wichtiger als kritische Medienberichte.

Du, Ueli, bist seit 43 Jahren bei der Post – Roberto wenige Wochen. Was ist das Wichtigste, was er als Konzernchef mitbringen muss?

Einerseits Führungserfahrung: Wissen, wie ein Konzern funktioniert. Das bringt Roberto bereits mit. Dazu kommt das klassische Handwerk des Managements: Prioritäten setzen, Ziele klar festlegen – und die Kompetenzen der Mitarbeitenden weiter entwickeln, auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse gegenüber der Post eingehen und so die Post als Ganzes weiter bringen.

Was heisst das für Dich, Roberto: Respekt oder Freude vor den kommenden Wochen?

Respekt vor den Aufgaben ist immer da. Vor allem aber freue mich auf die weiteren Kontakte mit Kunden und Mitarbeitenden, unter anderem werde ich auch Postfilialen besuchen.

Wirst Du auch selber hinter dem Schalter stehen?

Das werde ich versuchen – ich weiss aber nicht, ob ich dafür qualifiziert bin. Aber wenn ich die Kollegen bei ihrer Schalterarbeit begleiten darf, werde ich sicher vieles lernen. Deshalb werde ich immer wieder Filialen besuchen.

Die Post steht mitten in einem grossen Wandel – Ueli, was für ein Unternehmen übergibst Du Deinem Nachfolger?

Ueli Hurni: Eine Post, die im internationalen Vergleich sehr gute Dienstleistungen erbringt. Unsere Grundversorgung liegt weit über dem Standard anderer Länder – damit leisten wir einen wichtigen Beitrag an die Schweizer Volkswirtschaft. Dazu ein topmotiviertes Team und grundsätzlich zufriedene Kunden. Aber, das sage ich auch, ich übergebe ein Unternehmen, dessen Ruf unter den Ereignissen im letzten Jahr gelitten hat.

Was bedeutet das für Deine Mission als neuer Postchef, Roberto?

Den guten Ruf der Post wiederherstellen ist sicher etwas vom Wichtigsten. Das erreichen wir allerdings nicht mit Reden, sondern nur mit Taten, unserer täglichen Arbeit im Dienste des Service public.

Es gibt viele Meinungen, was Service public leisten soll und was nicht – was ist Service public für Dich, Roberto?

Von meiner Kindheit weiss ich, wie uns die Post ermöglichte, von Dienstleistungen zu profitieren, zu denen wir in unserem Dorf sonst keinen Zugang gehabt hätten. Und das will ich auch heute: die Post als Service public für die ganze Schweiz, und zwar für die von heute, aber vor allem auch für die von morgen. Die Relevanz unserer Dienstleistungen ist heute hoch – ich will dafür sorgen, dass sie es auch in zehn und zwanzig Jahren noch ist.