Erste Schritte mit einer jungen Technologie

Die Post baut zusammen mit der Swisscom eine private Blockchain auf. Drei Beispiele in der Logistik und im Finanzsektor zeigen, wie die neue Technologie zum Einsatz kommt.

07.05.2019
Text: Sandra Gonseth; Fotos: Monika Flückiger
  • Sarah Röthlisberger

    Sarah Röthlisberger, Projektleiterin Thermomonitoring

  • Mathias Strazza

    Mathias Strazza, Leiter Future Banking PostFinance und Vorstandsmitglied Verein cardossier

  • Matthias Egli

    Matthias Egli, Projektleiter B4U

«In zehn oder zwanzig Jahren wird es kaum noch einen Menschen geben, der nicht irgendwie von Blockchain beeinflusst wird», betonte der Ökonom Manuel Stagars in einer SRF-Sendung zum Thema Blockchain. Doch was steckt hinter dieser Technologie? Und wo ist ihr Einsatz für die Post sinnvoll?

Transparent und sicher

Blockchains können digitale Prozesse sicherer und einfacher machen. Denn einmal abgelegte Daten können nicht mehr verändert werden (siehe Grafik). Zudem sind die Informationen äusserst glaubwürdig, weil alle an einer Transaktion Beteiligten auf die gleiche Blockchain zugreifen. Deshalb ist die Technologie für die Post vor allem im Logistik- und Finanzbereich äusserst interessant – Prozesse im Kerngeschäft können noch sicherer gemacht werden. Die Post baut daher zusammen mit Swisscom eine eigene private Blockchain auf. Das Besondere daran: Die Daten bleiben vollständig in der Schweiz. Zudem benötigt diese private Infrastruktur im Unterschied zu öffentlichen Blockchains wie Bitcoin wesentlich weniger Energie, da sie nur von identifizierten Usern genutzt werden kann. Dadurch steigen auch die Leistung und die Sicherheit. Ihre Blockchain wird die Post sowohl für eigene Anwendungen nutzen (siehe Beispiele unten) als auch Kunden zur Verfügung stellen.

Sensible Waren sicher transportieren

Sarah Röthlisberger, Projektleiterin Thermomonitoring

Idee: Damit sensible Waren wie Medikamente beim Versand die richtige Temperatur haben, werden die Pakete konstant überwacht.

So funktionierts: Die Temperatur in den Paketen wird mit Sensoren gemessen und in einer Blockchain sicher gespeichert. Beim Empfang wird die Temperaturmessung abgeschlossen, indem der Postbote den QR-Code scannt. Die Temperaturdaten werden anschliessend automatisiert an den Versender übermittelt.

Das ist spannend: Wir haben unseren Partner, das Start-up Modum, von Anfang an partnerschaftlich in die Produkteentwicklung einbezogen. So verfügten wir schon in einer frühen Phase über einen funktionsfähigen Prototyp, den wir mit der Zielgruppe laufend getestet haben. Erst danach kam es zur finalen Lösung, mit der wir den Grundstein für weitere Monitoring-Dienstleistungen gelegt haben.

Lancierung: Das Thermomonitoring mit der Blockchain-Technologie wird im Mai 2019 als Early-Label-Produkt auf den Markt gebracht. Dabei kann die Post das Produkt zusammen mit ihren Kunden noch weiterentwickeln.

Die DNA eines Autos digitalisieren

Mathias Strazza, Leiter Future Banking PostFinance und Vorstandsmitglied Verein cardossier

Idee: Der Lebenszyklus eines Autos wird mit der Blockchain-Technologie gemanagt, d. h. alle relevanten Ereignisse im Leben eines Autos werden auf der Blockchain abgebildet.

So funktionierts: Alle relevanten Interaktionen rund um ein Auto werden auf der Blockchain aufgezeichnet. Dadurch kann das ganze Auto-Ökosystem auf transparente, vertrauenswürdige, sichere und zuverlässige Daten zugreifen.

Das ist spannend: Der Verein cardossier wurde aufgrund von Erkenntnissen aus einem InnoSuisse-Forschungsprojekt gegründet und besteht heute bereits aus mehr als zehn Mitgliedern rund um die Autoindustrie. PostFinance hat die Möglichkeit, von der ersten Stunde an mitzuwirken und die benötigte Zahlungslösung mitzugestalten.

Lancierung: Das Projekt befindet sich im Aufbau und wird nun kontinuierlich im Co-Lead der beiden PostFinance-Organisationsbereiche Future Banking (PFLab, Growth) und IT (Blockchain) weitergetrieben.

Strom direkt abrechnen

Matthias Egli, Projektleiter B4U

Idee: PostFinance hat mit Energie Wasser Bern (EWB) die smarte Energieabrechnung über Blockchain lanciert, damit Vermieter ihren grünen Strom automatisiert den Mietern verrechnen können.

So funktionierts: Mit dem neuen Energiegesetz ist es möglich, dass Hauseigentümer mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach den produzierten Strom direkt ihren Mietern verrechnen. Die Verrechnung wird automatisiert über eine Blockchain abgewickelt. Die Abrechnung über die Blockchain erfolgt vom Stromzähler bis zum Konto automatisch und ist einfach, transparent und sicher.

Das ist spannend: Die Herausforderung liegt darin, die Komplexität dezentraler Systeme mit der Blockchain zu vereinfachen. Zudem tragen wir mit einfacherer Administration und Verrechnung der dezentralen Energieversorgung indirekt auch zu mehr erneuerbarer Energieproduktion bei.

Lancierung: Im Herbst 2018 wurde mit Energie Wasser Bern die neue Plattform mit einem Marktversuch getestet. Nach der Weiterentwicklung folgen ab Mai 2019 in der ganzen Schweiz weitere Projekte in Zusammenarbeit mit Energieversorger und Energiedienstleister.

So funktioniert Blockchain

Eine Blockchain ist eine Art digitales Geschäftsbuch: Die an einer Transaktion beteiligten Partner legen die Daten in einem virtuellen Container (Block) ab. Diese Blöcke werden chronologisch aneinandergereiht (Chain). Jeder Block erhält ein Schloss (Hash), das ihn an einen unverrückbaren Platz in der Kette schliesst. Weil dieser verschlüsselte Fingerabdruck immer auf den Vorgänger passen muss, können die Daten nicht verändert werden. Deshalb sind Blockchains sehr sicher.