Als Team in eine neue Zukunft

Mehr Freiraum für unternehmerisches Denken. Doch was bedeutet die neue Teamorganisation von PostNetz für die Mitarbeitenden? Besuch bei einem Dialoganlass in Spiez.

19.03.2019
Text: Sandra Gonseth; Fotos: Monika Flückiger
  • Urs Ackermann

    Urs Ackermann (60), Leiter Betrieb Thun 1: «Ich fand den Anlass sehr gut. Die Fragen wurden offen und ehrlich beantwortet. Nichts wurde beschönigt. Durch das Aufzeigen der verschiedenen beruflichen Möglichkeiten und die Aussage, dass alle Altersstufen die gleichen Voraussetzungen haben, wurde meine anfängliche Verunsicherung zerstreut.»

  • Therese Wüthrich

    Therese Wüthrich (56), Filialleiterin Thun Allmendingen: «Der Dialoganlass hat mir gewisse Leitplanken gegeben. Doch schlussendlich muss wohl jeder selber entscheiden, wie seine berufliche Zukunft aussieht. Deshalb fand ich es gut, dass wir heute Abend motiviert wurden, uns etwas zuzutrauen. Das gibt mir Mut, mich beruflich weiterzuentwickeln.»

  • Patrick Schweizer

    Patrick Schweizer (50), Leiter Gebiet Berner Oberland: «Es ist schon speziell, wenn man seine Leute motivieren muss und gleichzeitig selber betroffen ist. Deshalb kann ich die Verunsicherung meiner Mitarbeitenden noch besser nachvollziehen. Aber es gibt immer Optionen. Es ist daher der richtige Zeitpunkt, sich zu überlegen, welche berufliche Richtung man einschlagen will.»

  • Ueli Lüdi

    Ueli Lüdi, Leiter Netzentwicklung: «Eine so einschneidende Veränderung löst Besorgnis und viele berechtigte Fragen aus.»

«Ihr engagiert euch seit vielen Jahren bei PostNetz. Nun stehen wir vor grossen Veränderungen.» Mit diesen Worten eröffnet Ueli Lüdi, Leiter Netzmanagement, den Dialoganlass in Spiez. Es ist einer von insgesamt elf Abenden, an denen die Führungskräfte von PostNetz über die künftige Organisation und ihre Rollen orientiert werden.

Das Interesse ist gross

Der Saal im Spiezer Tagungszentrum ABZ ist bis auf den letzten Platz besetzt. Es ist nicht allen aufgefallen, dass sich auch Thomas Baur, Leiter PostNetz, in Jeans und Turnschuhen unter das Publikum gemischt hat. Die Gesichter sind ernst, als Ueli Lüdi betont, die Dialoganlässe würden wichtige und wertvolle Inputs für die Umsetzung der Organisationsanpassung liefern. Er kommt schnell auf den Punkt: «Die Teamorganisation setzt verstärkt auf die Eigenverantwortung der Profis vor Ort. Künftig wird das Team gemeinsam für die Erledigung der anfallenden Aufgaben verantwortlich sein.» Ueli Lüdi ist überzeugt, dass dies die Arbeit spannender und interessanter machen wird.

Mehr Freiräume und Verantwortung

Doch was bedeutet dies konkret? Bis 2020 werden schweizweit 350 Teams mit je zirka 15 Mitarbeitenden geschaffen, die in der Regel an mehreren Standorten tätig sind. Die grössere Führungsspanne führt zu einer Reduktion bei den Führungsstellen. Im Sinne der Chancengleichheit werden sämtliche Führungspositionen sowie deren Stellvertretungen ausgeschrieben (siehe Interview). Ueli Lüdi rechnet für den Stellenbesetzungsprozess über alle Stufen mit rund einem Jahr. Er erklärt das genaue Vorgehen. Später, in der anonymen Fragerunde, werden dazu die meisten Fragen gestellt.

Bewerbungen erwünscht

Am Schluss bedankt sich Ueli Lüdi bei den anwesenden Führungskräften für ihre Loyalität: «Ihr seid in einer anspruchsvollen Situation, denn Ihr müsst euch verändern und gleichzeitig das Tagesgeschäft bewältigen.» Er ermutigt alle, sich zu bewerben, denn es sei nicht der Moment für falsche Bescheidenheit. Auch Thomas Baur zeigt sich nach der Veranstaltung zufrieden: «Mir liegt bei diesem Projekt der Teamgedanke am meisten am Herzen.»

Stellen Sie Ihre Fragen per Mail an teamorgapn3@post.ch oder ab Mai an den TommyTalks.
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«Alle sollen die gleichen Chancen haben»

Ueli Lüdi, Leiter Netzmanagement, beantwortet die wichtigsten Fragen zur neuen Teamorganisation bei PostNetz.

Wie gross ist die Akzeptanz für die neue Organisation?

Wir sind uns bewusst, dass eine so bedeutende Veränderung der Struktur Besorgnis und viele berechtigte Fragen auslöst. Die Dialoganlässe sollen den Mitarbeitenden die Gelegenheit geben, ihre Bedenken zu äussern und Fragen zur neuen Organisation zu stellen. Es ist uns wichtig, die Punkte unserer Mitarbeitenden aufzunehmen und sie in den Dialog miteinzubeziehen.

Weshalb müssen sich die Teamleitenden neu bewerben?

In erster Linie wollen wir einen fairen und transparenten Prozess sicherstellen. Alle sollen die gleichen Chancen haben. Zudem verändern sich die Anforderungen an die Führungspersonen. Für uns ist es zentral, die Führungsrollen mit den richtigen Personen mit den richtigen Kompetenzen zu besetzen.

Es werden also nicht mehr alle eine Leitungsfunktion haben?

Alle aktuellen Führungskräfte erhalten im Rahmen der Stellenbesetzung die Gelegenheit, sich auf die angestrebte Funktion zu bewerben. Sollte keine Zusage für eine Führungsfunktion erfolgen, so haben die aktuellen Filialleitenden grundsätzlich Anspruch auf eine Funktion als Kundenberater. Sollte die neue Funktion tiefer eingereiht sein als die aktuelle Funktion, kommt der Sozialplan der Post zur Anwendung.

Bei der Stellenbesetzung gibt es keine Altersgrenzen gegen oben und unten. Können Sie das kurz erklären?

Uns ist die Diversität der Teams wichtig. Wenn Interessierte beispielsweise 60 Jahre alt sind, motiviert und interessiert an einer neuen Herausforderung, dann freuen wir uns auf ihre Bewerbung. Das Gleiche gilt für junge Mitarbeitende. Zudem ist auch ein Job-Sharing möglich. Wir wollen Leute, die ein Team führen und motivieren können. Natürlich sind dabei auch Leistungsausweis und Erfahrung wichtig.

Neue Teamorganisation

Die derzeit rund 1000 Filialen mit 700 Filialleitenden werden in Zukunft von 350 Teams geführt. Ein Team besteht aus der Teamleitung sowie Stellvertretung und rund 15 Kundenberatenden. Das Team ist für sämtliche Zugangspunkte in seinem Einzugsgebiet verantwortlich. Die Post geht künftig von sieben Regionen und von rund 50 Filialgebieten aus. Nach dem finalen Entscheid durch die Konzernleitung und den Verwaltungsrat (geplant Ende April 2019) ist die Umsetzung der neuen Organisation bis im Sommer 2020 vorgesehen.