Am Puls der Trends

Ob Internet der Dinge, Blockchain oder Drohnen: Neue Technologien tragen dazu bei, innovative Dienstleistungen zu entwickeln und dadurch wettbewerbsfähig zu bleiben. Damit die Post die Vorteile neuer Technologien voll nutzen kann, lernt sie diese in einem frühen Stadium kennen.

11.12.2018
Text: Sarah Camenisch

Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass es ein Bedürfnis werden könnte, Sendungen mit einer Drohne zu transportieren? Die Post hatte es geahnt! Sie setzte sich früh mit der Drohnentechnologie auseinander, erkannte das Potenzial und verfügt dadurch heute als weltweit erste Anbieterin über eine kommerzielle Drohnen-Dienstleistung in der Logistik: den Transport von dringenden Laborproben.

Das Beispiel zeigt, warum sich die Post bereits in einer frühen Phase mit neuen Technologien beschäftigt: «Technologien entwickeln sich extrem schnell. Würden wir uns erst damit auseinandersetzen, wenn andere sie in ihre Produkte integriert haben, könnten wir die Bedürfnisse unserer Kunden nicht erfüllen und würden im Wettbewerb zurückfallen», erklärt Daniel Gerber. Er ist Leiter Innovation der Post und im Bereich Entwicklung und Innovation (E) zu Hause.

Spürnase für Trends

In seinem Team beschäftigen sich drei Mitarbeitende mit Open Innovation, also dem Aufspüren neuer Trends, Technologien und möglichen Partnern. Dafür arbeiten sie zum Beispiel mit Trendforschern, Hochschulen, Zukunftslabors und Start-ups zusammen. «Wir suchen sehr breit, damit uns vielversprechende Technologien und Anwendungsmöglichkeiten nicht durch die Lappen gehen», sagt Daniel Gerber. Damit die Post eine neue Technologie vertieft verfolgt, muss diese eine Dienstleistung oder einen Prozess einfacher, besser, schneller oder günstiger machen. Diese Kriterien erfüllt zum Beispiel die Blockchain-Technologie. Blockchains sind – einfach gesagt –digitale Geschäftsbücher. Sie können digitale Geschäftsprozesse noch einfacher und sicherer machen. Die Post kann sie zum Beispiel in der Sendungsverfolgung einsetzen oder um nachzuweisen, dass sie während eines Versands bestimmte Qualitätsvorgaben eingehalten hat, zum Beispiel eine vorgeschriebene Temperatur. Eine solche Dienstleistung ist für nächstes Jahr geplant (siehe Kasten).

Eine weitere Technologie, die Daniel Gerbers Team zusammen mit dem Funktionsbereich Informatik (I) verfolgt, ist das Internet der Dinge. Darüber werden Objekte und Geräte wie Pakete, Briefeinwürfe oder Regale in Spitälern mit dem Internet verbunden. Informationen wie der Standort oder Füllstände werden dadurch automatisch übertragen und können genutzt werden, zum Beispiel um Lieferungen oder Entleerungen zu planen.

Um die neuen Technologien in konkrete Ideen und später Dienstleistungen umzusetzen, arbeitet Daniel Gerbers Team nach der Initialisierung sehr rasch eng mit den Bereichen zusammen. Gemeinsam werden die Technologien getestet und an den Kundenbedürfnissen ausgerichtet.

«Wenn wir uns erst mit einer Technologie beschäftigen, wenn andere sie in ihre Produkte integriert haben, sind wir zu spät.»

Die Temperatur in Paketen messen

Die Post will künftig die Temperatur in Paketen mit Medikamenten auf dem gesamten Transportweg überwachen und aufzeichnen. Gemessen wird sie mit Sensoren eines Schweizer Start-ups. Die Messdaten werden in einer Blockchain gespeichert. Dadurch sind die abgelegten Daten für die am Versand beteiligten Partner unter Wahrung der Vertraulichkeit in Echtzeit einsehbar, können aber nicht verändert werden. Das Resultat: Der sichere Nachweis, dass beim Medikamentenversand das vorgeschriebene Temperaturband während des gesamten Transports eingehalten wurde.