«Der ÖV steht vor grossen Herausforderungen»

Wer ist der neue PostAuto-Chef Christian Plüss? Wir haben ihm drei Fragen gestellt.

30.10.2018
Interview: Stephan Appenzeller; Fotos: Simon Opladen

Christian Plüss, neuer PostAuto-Chef

Christian Plüss ist seit 1. November neuer Leiter von PostAuto. Der 56-Jährige hat an der ETH promoviert und verfügt über langjährige Führungserfahrung in verschiedenen Schweizer und internationalen Unternehmen, zuletzt als Leiter Geschäftseinheit Hydro Power Generation bei der Alpiq SA. Davor war er Direktor des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie und arbeitete bei Erdgas Ostschweiz AG und bei der SBB in leitenden Funktionen. Er bringt darüber hinaus Erfahrungen aus Verwaltungsratsmandaten mit.

Wann sind Sie selber zuletzt mit dem Postauto gefahren?

Kurz nach meiner Wahl zum neuen Leiter PostAuto war ich mit meiner Frau und unseren beiden Kindern in Graubünden in den Ferien. Wir nahmen das Postauto von Scuol nach S-charl, um von dort aus eine Bergtour zu unternehmen. Das Postauto war bis auf den letzten Platz besetzt, und die Fahrt führte auf einer engen Schotterstrasse durch die spektakuläre Schlucht Val S-charl. Der Fahrer fuhr souverän auf der engen, kurvigen Strasse und kommentierte gleichzeitig mit viel Humor die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke. Am Ziel angekommen erhielt er spontanen Applaus von den begeisterten Fahrgästen! Ich habe mich bei ihm für die ausgezeichnete Fahrt bedankt – und mich gefreut, dass bei PostAuto so tolle Fahrer arbeiten.

Wer ist Christian Plüss?

Ich bin ein positiv denkender, neugieriger Mensch, der gerne etwas bewegt. Private Zeit verbringe ich mit meiner Familie oder treibe Sport in der freien Natur. Das Leben sehe ich als eine stetige Entwicklung, und so faszinieren mich auch technologische und gesellschaftliche Entwicklungen. Bei der Arbeit suche ich langfristig ausgelegte Lösungen, bei denen die Interessen der Kunden, Mitarbeitenden und der Firma mit einfliessen. Solche Lösungen bedingen absolute Zuverlässigkeit, hohe Dialogbereitschaft und ein grosses Engagement – alles Werte, die mir wichtig sind und die ich auch meinen künftigen Kollegen und Mitarbeitenden weitergeben will.

Warum kommen Sie zu PostAuto und weshalb gerade jetzt?

PostAuto ist eine der bekanntesten Marken der Schweiz, fast schon ein Symbol für das Land. Als einer der grössten Akteure im öffentlichen Verkehr in der Schweiz spielt PostAuto eine wichtige Rolle im Service public – diese Aufgabe allein ist schon eine spannende Herausforderung. Die gegenwärtige Krise sehe ich ganz klar auch als eine Chance für Neues: Der öffentliche Verkehr steht vor grossen Herausforderungen durch neue Technologien und neue Akteure. Hier stellt sich unter anderem die Frage der Finanzierbarkeit.

PostAuto zahlt 205 Millionen Franken zurück

Unter Federführung des Bundesamts für Verkehr (BAV) und zusammen mit der Konferenz der kantonalen ÖV-Direktoren (KöV) wurde der Rückzahlungsbetrag an Bund, Kantone und Gemeinden festgelegt. PostAuto wird nach diesen Vorgaben Rückzahlungen in Höhe von 188,1 Millionen Franken für die Jahre 2007 bis 2018 leisten. Darüber hinaus beabsichtigt PostAuto die freiwillige Rückführung in Höhe von 17,2 Millionen Franken für die Periode vor 2007. Die Rückführung erfolgt, nachdem die Vereinbarungen mit den Kantonen abgeschlossen sind.