Briefmarken mit Engagement

Sondermarken mit Zuschlag gehören zum Schweizer Kulturgut. Sie unterstützen Pro Juventute und Pro Patria. Und via Briefmarkenfonds der Post eine grosse Zahl von Non-Profit-Organisationen in der Schweiz.

19.11.2018
Text: André Callegari; Fotos: Jean-Paul Bach

Bundesrätin Simonetta Sommaruga anlässlich der Vorstellung der Sondermarke mit Zuschlag «Fürsorgerische Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen»

Sie gehören zum Kulturgut der Schweiz wie das Armeemesser und der Apfelsaft aus «Mostindien»: die Sondermarken mit Zuschlag der Post. Seit 1950 generieren sie Mittel für die Stiftungen Pro Juventute und Pro Patria. Mediale Aufmerksamkeit erzeugte 2016 die Ausnahme der Regel: Die Post lancierte eine Sondermarke mit Zuschlag ausschliesslich zugunsten von Opfern fürsorgerischer Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen, die die Schweiz noch bis 1981 durchgeführt hat. Zu Topsellern in den Regionen wurden Pro-Patria-Sondermarken, beispielweise «Dampfschiff Blüemlisalp» oder «Schloss Oberhofen». Aktuell bewirbt Pro Juventute Spenden mit Sondermarken zum Thema «Unbeschwerte Kindheit».

In 30 Jahren rund 200 Projekte unterstützt

Der Grossteil des Zuschlags von 50 Rappen geht an Pro Juventute bzw. Pro Patria. Dass 10 Prozent des Erlöses in den Briefmarkenfonds der Post fliessen und Projekten mit sozialem oder kulturhistorischem Hintergrund zugutekommen, ist weniger bekannt. Noch in den 1990er-Jahren wurde so rund eine halbe Million Franken ausgeschüttet. Aber die Zeiten ändern sich. «Der Umsatz mit Sondermarken mit Zuschlag ist leider stark rückläufig», sagt Kurt Strässle vom Kultur- und Partnermanagement der Post. 2017 gingen nur noch rund 130 000 Franken an vier Non-Profit-Organisationen. Rückblickend darf sich das Engagement trotzdem sehen lassen: Rund 200 Projekte unterstützte der Briefmarkenfonds in den vergangenen 30 Jahren.

Gesuche aus allen Landesteilen willkommen

Über den Einsatz von Mitteln entscheiden Vertreterinnen und Vertreter von Post, Pro Juventute, Pro Patria und des eidgenössischen Departements des Inneren. Jüngst entschied das Komitee zugunsten von Intermundo (Jugendaustausch mittels Sprachaufenthalten), Cie. Gangwerk (Theater-, Tanz- und Performanceprojekte) und Swiss Music Archives (Sammlung von Quellenmaterial und Fachliteratur zur Geschichte populärer Musik in der Schweiz). Der Fonds nimmt Gesuche aus allen Landesteilen entgegen. «Aus der Deutschschweiz stammen die meisten, viele kommen aus der Welschschweiz, aus dem Tessin verzeichnen wir leider kaum Anfragen», sagt Strässle. «Nicht alltäglich war das Gesuch des Burgdorfer Theaterzirkus Wunderplunder, der das ‹Lebensgefühl Zirkus› ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen zugänglich macht – Primarschülerinnen und Primarschülern, Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Behinderung oder Asylsuchenden. Wir finanzierten ihm ein neues Zirkuszelt.»