«Nicht das Erzählte reicht, sondern nur das Erreichte zählt»

Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller beantwortet zentrale Fragen zu den Rückzahlungsmodalitäten und den nächsten Schritten für einen Neuanfang bei PostAuto.

21.09.2018
Interview: Léa Wertheimer

«Der Weg zum Neuanfang erfordert weiterhin unermüdlichen Einsatz»: Urs Schwaller, Verwaltungsratspräsident der Post.

Herr Schwaller, der Rückzahlungsbetrag liegt weit höher als ursprünglich vom BAV kommuniziert. Warum ist das so und was bedeutet das für die Post?

Urs Schwaller: Das stimmt, es war bislang die Rede von einem höheren zweistelligen Millionenbetrag. Wir haben in diesem Zusammenhang immer gesagt, dass – nebst den Jahren 2007-2015 – auch die Jahre 2016 bis 2018 hinzukommen werden. Für uns war von Beginn an klar, dass wir jeden geschuldeten Franken zurückzahlen werden. Ich fasse die nun vereinbarten Rückzahlungen nochmals zusammen: Wir zahlen für den Zeitraum von 2007 bis 2018 insgesamt rund 188 Millionen Franken an Bund, Kantone und Gemeinden zurück. Hinzu kommen gut 17 Millionen Franken, die wir freiwillig für die Periode vor 2007 zahlen. In der Summe ist das sehr viel Geld. Und obwohl wir schon entsprechende Rückstellungen gebildet haben, wird die Rückzahlung natürlich auch Spuren im Jahresergebnis der Post und vor allem auch in den Zahlen von PostAuto hinterlassen.

Warum zahlen wir zusätzlich über 17 Millionen Franken freiwillig – wo wir doch sparen müssen?

Das ist eine berechtigte Frage. Wir haben das im Verwaltungsrat lange diskutiert, weil diese Forderung juristisch gesehen verjährt ist. Wir sind zum Schluss gekommen, dass wir das Geld trotzdem zurückzahlen. Es ist ein wichtiger Teil unseres Versprechens, den Schaden wieder gut zu machen. Es geht ja auch darum, das Vertrauen unserer Partner wiederherzustellen. Wir alle wissen, dass die Post in verschiedenen Bereichen am Sparen ist – namentlich im Poststellennetz. Wir dürfen nicht vergessen, diese Sparmassnahmen sind strukturell bedingt – ganz einfach deshalb, weil sich unser Marktumfeld verändert. Die Rückzahlungen lösen kein zusätzliches Sparprogramm auf dem Buckel unserer Mitarbeitenden aus.

Sie sprechen von einem wichtigen Meilenstein. Was folgt jetzt noch?

Die Rückzahlung ist tatsächlich ein wichtiger Meilenstein in der Aufarbeitung. Die Umsetzung der weiteren Massnahmen geht mit voller Kraft weiter. Die neue Geschäftsleitung von PostAuto ist fast komplett besetzt, die verbleibenden Vakanzen sollen zeitnah bekannt gegeben werden. Der Rückbau der Holdingstruktur IMPRESA ist auf Kurs und wird für das kommende Jahr wirksam sein. Ebenso wird der Wechsel der Revisionsgesellschaft ab dem kommenden Jahr vorangetrieben und das angekündigte Compliance-Programm in den nächsten Monaten installiert. Auch die Arbeiten zum geordneten Rückzug aus dem Auslandsgeschäft schreiten voran. Nicht zuletzt prüfen wir derzeit weiter, ob wir Organhaftungs- sowie Schadenersatzklagen geltend machen. Sie sehen, es liegt zwar viel Arbeit hinter, aber auch noch sehr viel vor uns. Ich danke allen Beteiligten sehr für ihren unermüdlichen Einsatz.

Ihre persönliche Meinung: Wann wird das Vertrauen in unser Unternehmen wiederhergestellt sein?

Vertrauen kann nicht einfach wiederhergestellt werden, wir müssen es uns erarbeiten – Tag für Tag. Das Team rund um Tommy Baur arbeitet seit langem hart daran und hat einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Rückzahlungen geleistet.

Ich ärgere mich dann jeweils umso mehr darüber, dass uns immer wieder gemachte Fehler aus der Vergangenheit zurückwerfen – wie zum Beispiel die Pannen bei PubliBike oder die Fehler bei den Spesenabrechnungen unserer Chauffeurinnen und Chauffeure. Ich kann deshalb heute keinen Zeithorizont nennen. Es steht einzig fest, dass wir am Ende des Tages allein an unseren Taten gemessen werden. Oder mit einem Sprichwort ausgedrückt: «Nicht das Erzählte reicht, sondern nur das Erreichte zählt». Deshalb setzen wir uns auch im Verwaltungsrat und der Konzernleitung weiterhin mit aller Kraft für die Umsetzung aller noch anstehenden Arbeiten ein und unterstützen die zuständigen Teams.

Nichtsdestotrotz möchte ich an dieser Stelle den Mitarbeitenden der Post für ihre Arbeit herzlich danken. Denn viele von ihnen leisten tagtäglich einen hervorragenden Job und haben mit den Schlagzeilen, die unser Unternehmen in der letzten Zeit schrieb, nichts zu tun – das darf nicht vergessen werden.

Medienmitteilung vom 21. September 2018