Revolutioniert eine Brille die Postsortierung?

Vorbei sind die Zeiten riesiger Fachanlagen für die Sortierung von Briefen für Grosskunden. In einem Pilotversuch testet Swiss Post Solutions die sogenannte HoloLens – eine Brille, die den Nutzer nicht schärfer sehen lässt, aber sein Blickfeld erweitert.

21.08.2018
Text: Janina Gassner; Fotos: Daniel Rihs
  • Ist das die Zukunft? Die HoloLens wirft ein Hologramm auf die Fachanlage.

  • So sieht Andreas Weyermann die Fachanlage, wenn er die HoloLens trägt.

Sie wirkt wie eine überdimensionale Skibrille. Für Andreas Weyermann, Mitarbeiter bei Swiss Post Solutions in Bern, ist das aber kein Problem. Er steht vor einer Fachanlage und sortiert die Briefe eines Geschäftskunden. Eigentlich eine Standardleistung der Post. Der Clou ist nur, dass kein einziges Fach physisch angeschrieben ist. Welcher Brief in welches Fach sortiert werden muss, zeigt ihm diese Brille – die sogenannte HoloLens. «Die Brille projiziert ein Hologramm auf die Fachanlage. Damit sehe ich, wie früher bei den physisch angeschriebenen Fächern, in welches Fach welcher Brief gehört.»

Aus der Not eine Tugend

Die Idee, den HoloLens-Pilotversuch zu starten, ist eigentlich aus einer Not heraus entstanden. Daniel Vögeli, Mitglied der Geschäftsleitung SPS Schweiz, erklärt: «Wir haben verschiedene Mailrooms bei den Kunden vor Ort in einen zentralen Mailroom bei SPS zusammengelegt.» Am neuen Standort war dann nicht mehr genug Platz, um für jeden Kunden eine eigene Fachanlage aufzustellen. «Es lag nahe, dass wir uns technischer Möglichkeiten bedienen mussten, um diese Herausforderung anzugehen. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, Augmented Reality zu testen, und sind so auf die HoloLens gestossen.» Augmented Reality ist nichts anderes als eine computergestützte Darstellung, die die reale Welt um virtuelle Aspekte erweitert. Wie eben das Hologramm, das von der Brille auf die Fachanlagen geworfen wird. «Mit der HoloLens sparen wir Platz, weil wir weniger Fachanlagen benötigen. Auf dem Programm der Brille sind die Hologramme der Fachanlagen und die entsprechenden Sortierlisten jedes einzelnen Kunden gespeichert. Somit können wir für mehrere Kunden die gleiche Fachanlage benutzen.»

Keine Revolution ohne Stolpersteine

Die Programmierung der HoloLens wird intern durch die IT Post zusammen mit PostMail abgedeckt. Die Bedienung der Brille erfordert Übung. «Die Steuerung der Brille erfolgt über Bewegungen der Hand vor dem Glas. Das muss man schon eine Weile üben, bevor es reibungslos klappt», sagt Andreas Weyermann. Ein weiterer Faktor ist das Wohl der Mitarbeitenden. «Die Arbeit mit der HoloLens ist viel angenehmer als mit einer konventionellen VR-Brille, da die Umgebung mit der HoloLens immer noch wahrnehmbar ist.»

Für mehr Informationen zur HoloLens, schauen Sie das Video (Deutsch mit englischem Untertitel).