Die Post stärkt ihre Position im Paketmarkt

Das anhaltende Wachstum im Onlinemarkt beschert der Post erneut steigende Paketmengen. Da der Onlinehandel auch in Zukunft stetig wachsen wird, plant die Post den Ausbau der Paketverarbeitung. Dieter Bambauer, Leiter PostLogistics und Mitglied der Konzernleitung, über Chancen und Risiken im boomenden Paketmarkt.

Ausgabe 12/2017
Interview: Antonio Milelli
Dieter Bambauer

Dieter Bambauer, Leiter PostLogistics und Mitglied der Konzernleitung

Dieter Bambauer, der Onlinehandel wächst und wächst. Wie viele Pakete hat die Post 2017 verarbeitet und zugestellt?

Es waren fast 130 Millionen Pakete. Das sind über 6 Prozent mehr als 2016. Ein toller und wichtiger Erfolg, den wir unseren Mitarbeitenden verdanken. Gerade im Dezember haben sie Höchstleistungen erbracht. Bemerkenswert war heuer auch, dass die Zahlen ein verändertes Kundenbedürfnis offenlegen: Weil die Kunden ihre Pakete immer rascher erhalten wollen, wurden erstmals rund 52 Prozent der Pakete als PostPac Priority verschickt. Vor 15 Jahren waren es nicht mal 20 Prozent.

Gibt es andere Auffälligkeiten?

Die Kunden sind immer mobiler. Sie wollen Güter und Dienstleistungen rund um die Uhr beziehen, an sieben Tagen die Woche und ortsunabhängig. Der Trend geht in die Richtung, dass nach Wochenenden, speziell bei schlechtem Wetter, oder nach Shoppingtagen wie zum Beispiel «Black Friday» oder «Cyber Monday», die Mengen deutlich höher sind als im Jahresdurchschnitt. Dementsprechend flexibel müssen wir als Dienstleisterin sein. Das bedeutet für uns, dass wir zum Beispiel im Weihnachtsgeschäft zusätzliche Mitarbeitende einstellen und Zustell-Fahrzeuge dazu mieten.

Das Wachstum im Paketmarkt geht ungebremst weiter. Hat die Post denn überhaupt noch die notwendigen Kapazitäten um die Pakete zeitgerecht verarbeiten und zustellen zu können?

Ja, die Kapazitäten sind noch vorhanden. Dank dem Ausbau der drei grossen Paketzentren konnten wir unsere Sortierkapazitäten um 25 Prozent steigern. Aber: Mit den gewonnenen Kapazitäten können wir die wachsende Paketmenge bis ungefähr ins Jahr 2020 bewältigen. Da wir aber auch über 2020 hinaus mit einem starken Wachstum im Paketmarkt rechnen, bauen wir für rund 150 Millionen Franken in Cadenazzo (TI), Untervaz (GR) und Vétroz (VS) drei neue regionale Paketzentren.

Und was kommt danach?

Wir müssen die Entwicklungen immer sehr genau beobachten und wir machen uns bereits heute Gedanken, wie wir das Paketnetz optimal auf die Zukunft ausrichten. Wir gehen davon aus, dass nach 2020 in der ganzen Schweiz weitere regionale Paketzentren folgen werden. Wann und wo diese dereinst entstehen, ist von verschiedenen Faktoren abhängig.

Zum Beispiel?

Am Anfang jeder Überlegung steht der Kunde. Wie verändern sich die Bedürfnisse unserer Kunden? Wie entwickelt sich die schiere Anzahl der Pakete? Welche Grundstücke sind für uns geeignet und verfügbar? All das sind Fragen, die wir uns heute stellen müssen. Und: Was macht die Konkurrenz? Auch etliche Akteure im In- und Ausland bemerken, dass der Onlinehandel boomt. Der Markt im Paketgeschäft ist hart umkämpft.

Früher hatten Sie ein Monopol, heute im hartumkämpften Wettbewerb: Beunruhigt Sie die zunehmende und härtere Konkurrenz im Paketmarkt?

Die Konkurrenz ist vielfältig. Da gibt es kleine, agile Start-Ups, die etwa in urbanen Gebieten für die schnelle Zustellung sorgen und damit ein zunehmendes Bedürfnis der Kunden abdecken. Und da sind die grossen Logistiker wie zum Beispiel Planzer, die nun im Paketmarkt mitmischen. Sie verfügen über Ressourcen und Mittel. Wir nehmen diese Konkurrenz ernst, lassen uns dadurch aber nicht beunruhigen. Im Paketmarkt befinden wir uns seit 14 Jahren im freien Wettbewerb. Die Post besitzt seit Jahren einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Da der gesamte Onlinehandel stark gewachsen ist, die Post ihren Marktanteil aber halten konnte, bedeutet dies, dass sie im Vergleich zur gesamten Konkurrenz ein überproportionales Wachstum erreichen konnte. Das ist nicht selbstverständlich und zeigt, dass wir sehr gut gearbeitet haben. Aber: Während die Konkurrenz sich die Rosinen picken kann, hat die Post auch einen Grundversorgungsauftrag und regulatorische Vorgaben.

Was bedeutet dies für den Paketmarkt?

Wir müssen adressierte Pakete an mindestens fünf Wochentagen zustellen. 95 Prozent davon müssen pünktlich zugestellt werden. Das heisst, dass Priority-Pakete am Folgetag und Economy-Pakete spätestens am dritten auf den Aufgabetag folgenden Arbeitstag am Bestimmungsort eintreffen müssen. Diese Vorgaben werden Jahr für Jahr von den zuständigen Aufsichtsbehörden überprüft und von der Post regelmässig erfüllt oder gar übertroffen. Mit diesen Werten weist der postalische Service public in der Schweiz auch im internationalen Vergleich eine Spitzenqualität auf.