Neuer Star auf Zürichs Strassen

Seit Anfang September testet die Post erneut den Einsatz von Lieferrobotern auf der letzten Meile, diesmal im Herzen von Zürich.

Ausgabe 9/2017
Text: Mathias Forny; Fotos: Alessandro Della Bella
  • Lieferroboter

    Ein neuer Star unterwegs in Zürich

  • Lieferroboter

    Ein SMS benachrichtigt ihn über das Eintreffen seiner Sendung. Über den mitgelieferten Link wird das Transportfach entriegelt und die Bestellung kann entnommen werden.

  • Lieferroboter

    Für die Sicherheit sorgen beim Lieferroboter Sensoren, Kameras, ein GPS und sogar Radare.

  • Lieferroboter

    Souveräne Strassenquerung

  • Lieferroboter

    Auf dem Weg in den Park, wo der hungrige Stadtnomade auf sein Sandwich wartet

Unter den gespannten Blicken von fast einem Dutzend Journalisten und Fotografen trat ein Lieferroboter am 29. August seine erste Zustelltour im Herzen Zürichs an. Nach den technischen Versuchen in Bern und Solothurn werden nun während sechs Wochen mehrere dieser selbstfahrenden Transportboxen für das Warenhaus Jelmoli im Einsatz stehen: Kunden des Onlineshops können sich Bestellungen mittels Roboter zustellen lassen. Ein Domizil in der grössten Stadt der Schweiz ist dazu nicht erforderlich – vielmehr lässt sich der Zustellort auf einer Karte flexibel definieren. Der mobile Stadtnomade kann sich so beispielsweise sein Picknick auf die Parkbank oder das neue Hemd direkt ins Büro liefern lassen.

Seine Feuertaufe bestand der sechsrädrige Knirps mit Bravour: Trotz dicht bevölkerter Gehsteige und komplexer Strassenquerungen gelangte er bemerkenswert rasch zum Zustellort. Für die Sicherheit sorgen beim Lieferroboter Sensoren, Kameras, ein GPS und sogar Radare. Ganz ohne den Menschen geht es allerdings (noch) nicht: Während der Tests wird das futuristisch anmutende Gefährt von einer Fachperson begleitet. Neben der Überwachung der Fahrt hält diese auch die Reaktionen von Passanten fest. Und diese Reaktionen können durchaus kritisch ausfallen. Eine oft gestellte Frage: Weshalb beschäftigt sich gerade die Post mit solchen Projekten? Claudia Pletscher, Leiterin Entwicklung und Innovation, weiss warum: «Die Post muss sich damit auseinandersetzen, wie die Welt in zehn Jahren aussehen wird. Es ist wichtig für uns, dass wir neue Technologien mit Kunden am Markt testen, weiterentwickeln und diese in unsere Prozesse integrieren.»

Noch bevor der Roboter die letzten Meter der letzten Meile zurückgelegt hat, vibriert das Smartphone des Empfängers: Ein SMS benachrichtigt ihn über das Eintreffen seiner Sendung. Über den mitgelieferten Link wird das Transportfach entriegelt und die Bestellung kann entnommen werden. Nach getaner Arbeit macht der Roboter ringsum kehrt und tritt leise surrend seine Heimreise an. Und manch ein Betrachter fragt sich: Sieht so der Pöstler der Zukunft aus? «Die Post stellt täglich 18 Millionen Sendungen zu – da sind unsere Zusteller in Sachen Effizienz unschlagbar. Der Lieferroboter kann irgendwann eine sinnvolle Ergänzung darstellen», zeigt sich Claudia Pletscher überzeugt.

Schauen Sie das Interview mit Claudia Pletscher