«Wir rechnen auch über 2020 hinaus mit steigenden Paketmengen»

Der Onlinehandel in der Schweiz wächst, die Paketmenge nimmt zu – immer mehr Kunden wünschen Priority-Sendungen. Nun baut die Post drei regionale Paketzentren im Graubünden, im Wallis und im Tessin. So werden die grossen bestehenden Zentren entlastet.

Ausgabe 6/2017
Interview: Nadja Ruch
Dieter Bambauer

Dieter Bambauer

Dieter Bambauer, vor knapp 20 Jahren hat die Post die Paketverarbeitung an drei Standorten zentralisiert, weshalb will die Post nun wieder in einzelnen Regionen separat Pakete sortieren?

Mit dem Bau der drei Paketzentren in den 1990er-Jahren revolutionierte die Post die Paketverarbeitung und Paketzustellung. Seither hat sich der Logistikmarkt aber massiv verändert: Einerseits wächst der Onlinehandel immer schneller. Vergangenes Jahr verzeichneten wir bei den Paketmengen eine Zunahmen von fast sechs Prozent. Andererseits wollen die Kundinnen und Kunden ihre Bestellungen immer schneller erhalten. Vor 15 Jahren war jedes fünfte Paket ein Priority-Paket, heute ist es bereits jedes zweite. Parallel dazu stellt uns gerade in den Ballungszentren der zunehmende Verkehr auf Strasse und Schiene vor neue Herausforderungen. In den bestehenden Zentren ist zudem der Platz für einen weiteren Ausbau knapp. Nun stellen wir mit dem Bau der drei regionalen Paketzentren die Weichen für die Zukunft, indem wir einen Teil der Sortierleistung in die Regionen verlagern.

Nun hat die Post doch gerade erst den Ausbau der Paketzentren in Härkingen, Daillens und Frauenfeld abgeschlossen. Hat man nun schon wieder zu wenig Kapazität?

Nein, jetzt selbstverständlich noch nicht – aber wir müssen vorausschauen, denn Anpassungen entlang der Logistikkette brauchen ihre Zeit. Dank dem Ausbau der drei grossen Paketzentren in den letzten drei Jahren konnten wir unsere Sortierkapazitäten bereits um 25 Prozent steigern. Der Ausbau war ein enormer Aufwand, da die Bauarbeiten gleichzeitig zum laufenden Betrieb erfolgten. Mit den gewonnenen Kapazitäten können wir die wachsende Paketmenge bis ungefähr ins Jahr 2020 bewältigen. Wir rechnen aber über 2020 hinaus mit steigenden Paketmengen. Um also auch in Zukunft flexibel auf die Entwicklung der Paketmenge, der Kundenbedürfnisse und des Wettbewerbs reagieren zu können, entwickeln wir unser logistisches Netz mit dem Bau der drei regionalen Paketzentren weiter.

Weshalb baut die Post die neuen regionalen Paketzentren ausgerechnet im Graubünden, im Tessin und im Wallis?

Weil dies aus logistischer Sicht derzeit am sinnvollsten ist. Die drei regionalen Paketzentren werden künftig das heutige Netz mit den grossen Paketzentren in Härkingen, Daillens und Frauenfeld ideal ergänzen. Dadurch können wir Pakete gleich in den jeweiligen Regionen sortieren. Ein Beispiel: Ein Kunde gibt ein Paket in Lugano auf und will es nach Bellinzona schicken. Künftig wird es direkt in Cadenazzo sortiert und nicht erst nach Härkingen und wieder zurück transportiert. Damit entlasten wir die bisherigen grossen Paketzentren und die Transportwege werden reduziert. Die regionale Paketverarbeitung wird für PostLogistics spürbare Veränderungen bringen. Ich verspreche mir davon grosse Vorteile.

Veränderungen wird es auch für Mitarbeitende bringen: Bisherige Standorte im Wallis und in der Ostschweiz werden zusammengelegt. Was heisst das für die Postmitarbeitenden?

Mit dem Bau der regionalen Zentren werden Arbeitsplätze in den jeweiligen Regionen gesichert. Alle Mitarbeitenden behalten ihre Stelle. Einige Mitarbeitende werden neue Aufgaben und Rollen erhalten, für andere Mitarbeitende bedeutet die Zusammenlegung längere Anfahrtswege zur Arbeit. Für viele Mitarbeitende wird es aber bis auf Anpassungen in den Arbeitsprozessen keine Änderungen geben. Die betroffenen Mitarbeitenden wurden im Voraus regelmässig über den Stand des Projektes informiert.

Wird die Post weitere regionale Paketzentren bauen?

Der Bau der drei regionalen Paketzentren ist ein weiterer Schritt, um unser Logistikkonzept auf die künftigen Paketmengen und die Kundenbedürfnisse anzupassen. In diesem Kontext prüfen wir auch den Bau weiterer regionaler Paketzentren. Aktuell sind aber keine weiteren Entscheidungen getroffen worden.